Neujahrsaufruf des Landrats für 2017

Veröffentlicht am: 31.12.2016

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Neujahrsaufruf des Landrats für 2017

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das Jahr 2016 nähert sich unaufhaltsam seinem Ende. Es ist die Zeit, in der man üblicherweise Rückschau hält und Bilanz zieht, zugleich aber auch den Blick nach vorne richtet, denn es beginnt ja etwas Neues. Ich frage mich in diesen Tagen, was später einmal als typisch oder charakteristisch für 2016 gelten mag. Denkt man dann in erster Linie zurück an die schrecklichen Terroranschläge von Paris, Brüssel, Nizza und zuletzt Berlin, an den Amoklauf eines Schülers in einem Münchner Einkaufszentrum? Oder sind es vielmehr die Naturkatastrophen, die uns im Gedächtnis bleiben werden? Die Unwetter und Überschwemmungen, die auch bei uns ganze Dörfer verwüsteten, die Erdbeben, die in Ecuador, Neuseeland und Mittelitalien ganze Landstriche in Trümmerfelder verwandelt haben? Werden wir je die schrecklichen und verstörenden Bilder vom unermesslichen Leid der Menschen in Aleppo vergessen können? Oder bleibt 2016 etwa das Jahr, in dem Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde?

Unsere Welt, die uns vor nicht allzu langer Zeit noch so sicher schien, scheint aus den Fugen geraten. Darüber sollten wir aber nicht vergessen, dass auch viel Schönes passiert ist, das es wert wäre, einen Platz in unserer Erinnerung zu behalten. Etwa die Geschichte von dem neunjährigen Jungen aus Korbach, der unter telefonischer Anleitung eines erfahrenen Rettungsassistenten seinen Bruder wiederbelebt hat, der fast in einem Pool ertrunken wäre. Hundertausende von Menschen waren davon fasziniert und berührt. Oder denken Sie an die sportlichen Erfolge unserer Olympionikin Carolin Schäfer, des Triathleten Patrick Lange oder der mehrfachen Leichtathletik-Seniorenweltmeisterin Tatjana Schilling.

Vieles geschieht auch im Verborgenen oder doch zumindest außerhalb der Aufmerksamkeit der meisten Menschen. Ich denke hier an die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die in der Flüchtlingsbetreuung aktiv sind, die Sprachunterricht erteilen, Menschen zu Arzt- oder Behördenbesuchen begleiten und helfen, dass diejenigen, die hilfesuchend zu uns gekommen sind, die bleiben wollen und dürfen, sich in ihrer neuen Umgebung orientieren können. Den ehrenamtlich Tätigen schulden wir Dank für ihr segensreiches Wirken, ebenso den Vereinen, in denen Integration gelebt wird. Ich danke auch den Betrieben in unserem Landkreis, die dabei helfen, Flüchtlinge zu qualifizieren und auf die Anforderungen unseres Berufslebens vorzubereiten. Ebenso der Kreishandwerkerschaft, die sich hier stark engagiert und Berufsvorbereitungskurse bzw. Praktika anbietet.

Ich bin überzeugt davon, dass diese kleinen alltäglichen Erfolge uns dabei helfen können, die großen Krisen der Welt zu ertragen und zu bewältigen. Und Kleines kann ja durchaus Großes bewirken. Selbst die mächtigsten Buchen in unserem Nationalpark sind einmal aus einem kleinen Samenkorn entstanden. So haben auch wir seitens des Landkreises unsere Partnerschaft mit Russland in diesem Jahr wieder intensiviert, gerade weil die politische Großwetterlage so frostig ist. Wir haben persönliche Kontakte vertieft und gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht. Damit leisten wir einen Beitrag zur Völkerverständigung, der auf der weltpolitischen Bühne derzeit nicht möglich scheint.

Aber auch auf Kreisebene haben wir einiges geleistet, das uns gemeinsam voranbringt. Nach den Kommunalwahlen im März haben wir eine große Koalition gebildet, um die anstehenden Entscheidungen mit sicherer Mehrheit treffen zu können. Wir investieren weiter, vor allem in den Schulbau und in unsere Kreisstraßen, wir bauen die Infrastruktur weiter aus, u.a. mit einem Großprojekt zum flächendeckenden Ausbau des schnellen Internets, wir stärken die Bildungsangebote, etwa durch die Planung eines neuen Studiengangs bei Studium plus in Frankenberg, und wir machen große Fortschritte bei der Sanierung der Kreisfinanzen.

Wenn der Zustand unserer Welt Sie bedrückt, dann erstellen Sie doch einfach selbst eine eigene Liste mit den Punkten, die Ihnen 2016 gut und wichtig erschienen und setzen Sie sich Ziele für das neue Jahr. Glauben Sie nicht, dass dasjenige, was sie selbst leisten können, zu klein und unbedeutend sei. „Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“, wie ein chinesisches Sprichwort besagt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es der Allianz der Gutwilligen gelingen wird, die Welt wieder auf einen guten Weg zu bringen, nicht gleich im nächsten Jahr, aber ganz sicher auf lange Sicht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2017. Für diejenigen, die in 2016 Schicksalsschläge erleiden mussten oder einen geliebten Menschen verloren haben, hoffe ich, dass das neue Jahr Zuversicht und neuen Lebensmut bringen möge. Mein Wunsch für 2017 ist, dass Vernunft und Toleranz wieder ihren Platz in unserem Leben und der Welt finden. Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wünsche ich von ganzem Herzen, dass, wenn Sie in einem Jahr Bilanz ziehen, die sonnigen Tage deutlich zahlreicher als die trüben gewesen sein werden.

Ihr

Dr. Reinhard Kubat

Landrat