Landkreis lud zum Infoabend ein: Gründung eines Landschaftspflegeverbands

Veröffentlicht am: 12.07.2017

Landkreis lud zum Infoabend ein: Gründung eines Landschaftspflegeverbands in Waldeck-Frankenberg
Naturschutzmaßnahmen koordinieren, Kulturlandschaften erhalten: Der Landkreis Waldeck-Frankenberg organisiert aktuell die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes. Kürzlich fand im Korbacher Kreishaus eine Informationsveranstaltung statt, bei dem sich rund 60 Vertreter aus Politik, Naturschutz und Landwirtschaft sich über das Thema informierten – und auch einige Fachvorträge zur Gründung eines solchen Verbandes hörten.

Die Federführung für dieses Projekt haben beim Landkreis der Fachdienst Landwirtschaft und der Fachdienst Naturschutz. Im Rahmen der Veranstaltung informierten sie gemeinsam mit dem Landwirtschaftsdezernenten Fritz Schäfer über den aktuellen Stand zur Gründung des Verbandes im Landkreis. Die Initiative dazu war ein Kreistagsbeschluss, in dem sich die Mehrheit der Mitglieder für die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes aussprachen.

Zunächst wurde dafür eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aus Politik, Naturschutz und Landwirtschaft ins Leben gerufen, die regelmäßig tagen und den Prozess von Anfang an begleiten. „Wir freuen uns, dass wir momentan kurz vor der Gründungsversammlung des Verbands stehen – auch durch die konstruktive Unterstützung unseres Fachdienstes Recht in der Korbacher Kreisverwaltung“, sagt Fritz Schäfer. „Denn solch eine Organisationseinheit bietet viele Vorteile. Als flächengrößter Landkreis gilt es, weitläufige Flächen zu pflegen Kulturlandschaften zu erhalten und einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten – insbesondere auch unter Beachtung der Natura 2000, einem EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten.“

Mit der Gründung eines Landschaftspflegeverbandes will der Landkreis Waldeck-Frankenberg diesen Themen Rechnung tragen – aber auch die Landwirte und Flächennutzer unterstützen und beraten. Dabei wird eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kommunen, Verbänden und allen Behörden angestrebt.

Zu den Aufgaben des Verbandes gehört darüber hinaus unter anderem die Akquise von Fördermitteln, die Förderung naturraumbezogener Landnutzungskonzepte, die Einbindung ihrer Mitglieder sowie Qualifizierungsmaßnahmen im Naturschutz und der Landschaftspflege. „Der Verband versteht sich dabei als Ansprechpartner und Servicedienstleister – für die Landwirtschaft, den Umweltschutz, aber auch für Kommunen“, betont der Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft Karlfried Kukuck. „Denn sie sind für uns wichtige Partner in Sachen Landschaftspflege.“

Daher soll der Verband paritätisch aus Naturschutz, Landwirtschaft und Politik bestehen. Best Practise-Beispiele lieferten dabei Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege und Ingrid Moser, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Gießen, die in umfangreichen Referaten ihre Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen und Anforderungen an einen Landschaftspflegeverband schilderten. „Dieses vorhandene Know How möchten wir nutzen, um unseren künftigen Landschaftspflegeverband auch organisatorisch auf solide Füße zu stellen“, so Fritz Schäfer weiter. „Von den Erfahrungen der Kollegen können wir daher entsprechend profitieren.

Darüber hinaus in der Landkreis Partner in einem Pilotprojekt des Landes Hessen: eine entsprechende Vereinbarung haben Vertreter des Landkreises Waldeck-Frankenberg, des Lahn-Dill-Kreises und des Wetteraukreises kürzlich im Hessischen Landtag unterzeichnet. Demnach werden die drei hessischen Landkreise in den kommenden drei Jahren bei der Umsetzung von Maßnahmen der Natura-2000-Richtlinie, des Vertragsnaturschutzes sowie beim Management der kommunalen Ausgleichs- und Eingriffsflächen unterstützen. Als eingetragene gemeinnützige Vereine fungieren die Landschaftspflegeverbände zukünftig als Dienstleister für die Landkreise, bei denen die Fachverwaltung für Landwirtschaft und Landschaftspflege angesiedelt ist. Die Aufsicht bleibt bei den jeweiligen Regierungspräsidien.

Die drei Pilot-Landkreise erhalten für die kommenden drei Jahre insgesamt jeweils 200.000 Euro vom Land. Die Arbeitsinhalte, mit denen der jeweilige Landschaftspflegeverband im Rahmen des Pilotvorhabens beauftragt wird, werden von dem jeweiligen Landkreis gemeinsam mit dem zuständigen Regierungspräsidium festgelegt. Bisher mangelte es hier an geeigneten Strukturen. "Der Landkreis Waldeck-Frankenberg beteiligt sich gern am Pilotvorhaben Landschaftspflegeverbände, da sich durch solch eine interkommunale Zusammenarbeit Fördermittel besser und leichter erlangen lassen. Kooperativer Naturschutz ermöglicht es somit, Naturschutzprojekte auch größeren Ausmaßes vor der eigenen Tür anzugehen, umzusetzen und nachhaltig fortzuführen", betont Fritz Schäfer. "Hochwertige, gleichzeitig jedoch kostengünstigere Ausgleichsmaßnahmen  - aus naturschutzfachlicher Sicht - lassen sich in einem Lanfdschaftspflegeverband ebenfalls besser konzipieren."