EKB: Einheitliche Strukturen für ärztliche Bereitschaftsdienste schaffen

Veröffentlicht am: 08.02.2013

Die Neuorganisation der ärztlichen Bereitschaftsdienste ist im Landkreis Waldeck-Frankenberg ein Thema, das derzeit alle Verantwortlichen intensiv beschäftigt. Zum einen erfordert der demografische Wandel erfordert eine schnelle Reaktion, andererseits wirkt auch die im ländlichen Raum üblicherweise sehr hohe Zahl von Bereitschaftsdiensten abschreckend auf den medizinischen Nachwuchs. Die älter werdende Bevölkerung und die sinkende Anzahl von Hausärzten macht eine schnelle Lösung für Waldeck-Frankenberg erforderlich.

Viel Beachtung findet das in Heppenheim an der Bergstraße  umgesetzte Modell, bei dem die Disposition des ärztlichen Bereitschaftsdienstes über die Leitstelle des Landkreises sichergestellt wird. Auch Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf, der zuständige Dezernent für Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz in Waldeck-Frankenberg, hält diese Organisationform für vorbildlich und weist darauf hin, dass in Teilbereichen des Landkreises bereits seit 15 Jahren ein vergleichbares Verfahren praktiziert wird. „Die Koordinierung der Bereitschaftsdienste und der Notfalleinsätze läuft im Bezirk Bad Wildungen/Edertal schon seit 1997 über die Leitstelle", so Deutschendorf. „Mittlerweile schalten auch einige Ärzte aus dem Bereich Frankenberg an den Bereitschaftstagen ihr Telefon auf unsere Leitstelle".

Das hat aus Sicht des Rettungsdienstdezernenten viele Vorteile. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Leitstelle sind medizinisch geschult und haben mindestens eine Ausbildung als Rettungssanitäter. Anhand der Details des jeweiligen Hilfeersuchens sind sie in der Lage eine Entscheidung zu treffen, welche Form der Hilfeleistung im konkreten Fall notwendig ist, ob also der Patient in der Lage ist, selbst die Praxis aufzusuchen, ob der Arzt einen Hausbesuch machen muss, oder ob die Alarmierung des Rettungsdienstes und ggf. des Notarztes angezeigt ist.

Die Gemeinden Willingen und Diemelsee sowie die Stadt Diemelstadt gehören dem Bereitschaftsdienstbereich der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe an, dessen Callcenter sich in Duisburg befindet. Volkmarsen, Bad Arolsen und Twistetal habe sich dem Bereitschaftsdienst Wolfhaben angeschlossen, dessen Telefonzentrale bei der Berufsfeuerwehr in Frankfurt installiert ist.

Dazu führt Deutschendorf aus: „Die Kenntnis regionaler, räumlicher und zeitlicher Besonderheiten ist sicher in der Leitstelle des Landkreises eher gegeben als in einem mehrere hundert Kilometer entfernten Callcenter". Der Dezernent sieht hier einen erheblichen und im Notfall vielleicht sogar entscheidenden Zeitvorteil für den Betroffenen. Deshalb hält er auch eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Organisationsstrukturen für unverzichtbar. „Wir haben hier immer noch zu viele Einzellösungen. Zum Beispiel in Korbach, wo die Ärzte eine einheitliche Rufnummer eingerichtet haben, die zum jeweils Diensthabenden durchgestellt wird". Außerdem gebe es Hinweise, dass die Ärzte in Bad Wildungen und Edertal, möglicherweise auch in Waldeck, einen Verbund mit Fritzlar eingehen wollen. Die Telefonzentrale wäre dann in Frankfurt. „Eine fremde Telefonvorwahl, die man regional nicht zuordnen kann, wirkt möglicherweise auf ältere Mitbürger wenig vertrauenserweckend oder sogar abschreckend" meint Jens Deutschendorf.

Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung sollte ein Bereitschaftsdienstbereich zukünftig aus mindestens 50 bis 60 Ärzten bestehen, um die individuelle Belastung in Grenzen zu halten. Gerade wurde bekannt, dass die KV eine Zusammenlegung der Bereitschaftsdienste im Altkreis Frankenberg plant und dafür eine Zentrale im Kreiskrankenhaus Frankenberg einrichten möchte. Die KV plant zudem, für ganz Hessen zwei oder maximal drei Callcenter einzurichten und stellt den Ärzten, die sich dort anschließen, eine Übernahme der Anschluss- und Betriebsgebühren in Aussicht. Auch angesichts der Tatsache, dass Landrat Dr. Reinhard Kubat im Rahmen des Leitbildprozesses die ärztliche  Versorgung auf dem Land thematisiert habe, werde er das Gespräch mit der KV suchen, kündigte Deutschendorf an. Die Effizienz und Leistungsfähigkeit der Bereitschaftsdienste müsse gewährleistet sein, außerdem dürften sie kein Niederlassungshindernis für junge Ärzte darstellen.

Aus diesem Grund unterbreitet der Hessische Landkreistag der KV Hessen zur Zeit ein Angebot mit dem Ziel, dass die Anrufe für den Vertragsärztlichen Bereitschaftdienst zukünftig bei der jeweils zuständigen Zentralen Leitstelle der Landkreise eingeht.