Naturzerstörung in Naturdenkmälern bei Frankenau - Untere Naturschutzbehörde bittet Bevölkerung um Hinweise -

Veröffentlicht am: 12.06.2013

Unbekannte haben in den vergangenen Tagen erhebliche  Zerstörungen an den Naturdenkmälern „Aspenwiese" und „Ochideenwiese am Mittelberg" südöstlich von Frankenau angerichtet. „In den wertvollsten Kernbereichen beider Naturdenkmäler ist es durch die Befahrung mit Fahrzeugen, vermutlich mit sogenannten "Quad‘s", zu erheblichen Schäden an der wertvollen Grünlandvegetation gekommen. Die Fahrspuren geländegängigen „Freizeit-Fahrzeuge" führen auf beiden Wiesen genau durch die empfindlichsten Standorte mit einer Vielzahl blühender Orchideen. Die „zielgenaue" Befahrung der wertvollsten Bereiche mit ihrem auffälligen Blütenreichtum lässt gezieltes Handeln vermuten", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und der Stadt Frankenau

Dies ist sei kein tolerierbarer Kavaliersdelikt, sondern die vorsätzliche Beschädigung eines Naturdenkmals. Die Beschädigung oder Zerstörung von Naturdenkmälern je nach Intensität mit Bußgeld oder gemäß § 304 des Strafgesetzbuches mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden.

Die Untere Naturschutzbehörde und die Stadt Frankenau bitten die Bevölkerung im Interesse der Erhaltung der verbliebenen ökologischen Schätze um Mithilfe bei der Ermittlung der/des Verursacher(s). Die Beschädigung der Naturdenkmäler wurde vermutlich um das erste Juniwochenende verursacht.

Wer in diesem Zeitraum entsprechende Beobachtungen  gemacht hat, die bei der Ermittlung der/des Verursacher(s) helfen könnten, wird gebeten, sich beim Fachdienst Natur-und Landschaftsschutz des Landkreises Waldeck-Frankenberg oder der Stadtverwaltung Frankenau unter folgenden Telefonnummern melden: Stadtverwaltung Frankenau, 06455/799-20 oder Fachdienst Natur- u. Landschaftsschutz 05631/954-446.

Hintergrund: Die Naturdenkmäler „Aspenwiese" und „Orchideenwiese am Mittelberg" liegen südöstlich der Stadt Frankenau, am Rande der von Wiesen und Äckern geprägten Feldflur unterhalb des „Mittelberges". Es handelt sich um zwei der artenreichsten Mager-Wiesen des Kellerwaldes mit einer herausragenden Vielfalt seltener Pflanzenarten. So finden sich weit über 20 Arten der auf der „Aspenwiese" vertretenen Pflanzen auf der „Roten Liste der Samenpflanzen von Hessen" als gefährdet oder vom Aussterben bedroht verzeichnet.

Einen der schönsten Blühaspekte in beiden Naturdenkmälern bietet die Orchideenblüte, die in „guten Jahren" ab Ende Mai mit bis zu mehreren tausend  purpurroten Blütenständen von Breitblättrigem Knabenkraut  den Frühsommer einleitet. Derzeit blühen ca. 1.500 Orchideen auf der „Aspenwiese". Gemeinsam mit Wollgras, Sumpf-Baldrian, Sumpfdotterblume und vielen anderen selten gewordenen Pflanzenarten bietet die Wiese jetzt einen nur noch selten erlebbaren Landschaftseindruck.

Die Ausweisung als Naturdenkmäler unterstreicht die hohe ökologische und landschaftsästhetische Bedeutung dieser einzigartigen Wiesen, die mit zu den hochwertigsten Kernflächen des Naturschutzgroßprojektes Kellerwald-Region gelten. Die „Aspenwiese" ist zudem noch Teil des FFH-Gebietes „Magerrasen­komplex am Mittelberg bei Frankenau" und steht zusätzlich unter europäischem Schutz.

Das Engagement der Frankenauer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) hat ganz maßgeblich zu dem heutigen, optimalen Pflegezustand der beiden Naturdenkmäler beigetragen. Die Ortsgruppe bemüht sich seit Jahrzehnten um die Erhaltung und Entwicklung der Fläche. Ein Wechsel von später Mahd und anschließender Nachbeweidung mit der eigenen Herde „Hinterwälder Rinder" hat sich als sehr erfolgreiche Pflegenutzung zur Erhaltung dieses einzigartigen Biotopkomplexes erwiesen. 

Die Schönheit und Eigenart dieser Landschaftsteile erfreute bisher Wanderer, Naturliebhaber und Gäste der Region, viele Frankenauer Bürger wissen um die Besonderheit dieses Frankenauer „Tafelssilbers" und sind stolz darauf.

Das zerstörte Naturdenkmal Aspenwiese bei Frankenau

Das zerstörte Naturdenkmal Aspenwiese bei Frankenau