Jens Deutschendorf äußert sich zum Gesundheitsreport Waldeck-Frankenberg

Veröffentlicht am: 22.05.2014

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Der vom Land Hessen und der Kassenärztlichen Vereinigung vorgelegte Gesundheitsreport für Waldeck-Frankenberg ist nach Einschätzung des Ersten Kreisbeigeordneten und Gesundheitsdezernenten Jens Deutschendorf eine Zusammenstellung bereits bekannter Fakten. Dies betreffe insbesondere auch die Praxisnachfolge bei den Hausärzten im Landkreis. Allerdings könnten solche Szenarien dazu beitragen, das Thema Gesundheitsversorgung noch stärker in den Fokus politischer Debatten zu stellen und ein besseres Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

„Wir setzen uns in Waldeck-Frankenberg schon seit längerem intensiv mit der Ärzteversorgung im ländlichen Raum auseinander und haben bereits Konzepte entwickelt, die uns erfolgversprechend scheinen", betont Deutschendorf. „Es ist aber wichtig, Kreise und Kommunen mit ihren Anstrengungen nicht alleine zu lassen". Der Dezernent sieht hier sowohl das Land wie auch den Bund in der Pflicht. Das Thema Allgemeinmedizin müsse stärker an die Universitäten gebunden werden und die Diskussion über Quoten für Allgemeinmediziner im ländlichen Raum dürfe ebenfalls kein Tabu mehr sein.

Deutschendorf sieht vor allem ein Problem darin, dass noch immer zu viele junge Menschen, die sich für ein Medizinstudium interessieren, an den hohen Zulassungsbeschränkungen scheitern. Ein Großteil derjenigen, die ein Medizinstudium erfolgreich absolvieren, bleibt erfahrungsgemäß lieber an den Krankenhäusern oder lässt sich in den Ballungsräumen nieder.

„Wir haben in Waldeck-Frankenberg das Projekt „Gesundheit schafft Zukunft" gestartet, mit dem wir die Rahmenbedingungen so verändern wollen, dass wieder mehr junge Medizinerinnen und Mediziner als Landärzte zu uns kommen", erläutert Deutschendorf. „Mit der Internet-Plattform www.landarzt-werden.de haben wir ein zentrales Kommunikationselement für potentielle Haus- und Fachärzte geschaffen; Zielsetzung des Pilotprojektes ist es, den Ärztemangel im ländlichen Raum aktiv zu bekämpfen und die ärztliche Versorgung nachhaltig sicher zu stellen". Auch der zertifizierte Weiterbildungsverbund für angehende Hausärzte trage hierzu bei.

Die Plattform soll Anlaufstelle für Nachwuchsärzte sein und die Rahmenbedingungen für angehende Ärzte auf attraktive Art und Weise vermittelnd aufzeigen. Auf der Plattform werde es für heimische Ärzte die Möglichkeit geben, ihre Praxis im Rahmen einer entsprechenden Börse anzubieten und die notwendigen Infos selbst einzustellen. Neben der Praxenbörse sollen Praxen wie auch Krankenhäuser die Plattform nutzen, um Jobangebote in Anstellung zu offerieren. Die Verbundweiterbildung ist dabei ein Teil eines umfassenden Angebots. Eine Plattform wie sie das Projekt plant, ist nach den Worten des Ersten Kreisbeigeordneten deutschlandweit einmalig und ermöglicht dem Landkreis, sich von anderen Projekten und Initiativen abzusetzen. „Wir wissen um den Wettbewerb im Gesundheitsbereich und wollen uns langfristig aufstellen und neben der ärztlichen Tätigkeit auch das Thema Lebensqualität aktiv bewerben."

„Der Gesundheitsreport Waldeck-Frankenberg zeichnet im Hinblick auf die Hausärzteversorgung im Landkreis ein worst case Szenario, das eintreten könnte, wenn wir nichts unternehmen und sich auch von selbst keine Interessenten für eine Praxisnachfolge finden würden", so Deutschendorf. „Wir haben aber bereits Weichenstellungen vorgenommen, die mit dafür sorgen werden, dass es bei uns keinen gravierenden Engpass in der Ärzteversorgung geben wird, da bin ich sicher". Dennoch bedürfe es gemeinsamer Anstrengungen der Kommunen, der Länder und des Bundes, um dauerhafte Lösungen zu schaffen. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit derartiger Kooperationen müsse aber bei manchen politischen Verantwortungsträgern noch geschaffen werden.