Landrat richtet Stabsstelle „Ländlicher Raum“ ein

Veröffentlicht am: 12.03.2010

Die Förderung des ländlichen Raums und die Stärkung der Zukunftsfähigkeit Waldeck-Frankenbergs sind vordringliche Ziele im politischen Handlungskonzept von Landrat Dr. Reinhard Kubat. Während die Ballungszentren an Rhein und Main auch künftig kräftig wachsen werden, ist der ländliche Raum, insbesondere in Nordhessen, mittelfristig von einem starken Bevölkerungsverlust sowie weiteren sich daraus ergebenden negativen Auswirkungen bedroht. Der demografische Wandel ist in Waldeck-Frankenberg schon deutlich spürbar, die tatsächlichen Bevölkerungszahlen unterschreiten bereits zum jetzigen Zeitpunkt die prognostizierten Werte.

Als eines der Folgeprobleme droht eine Verödung der Dörfer durch Leerstände in den innerörtlichen Lagen. Defizite in der Infrastruktur, etwa bei der Breitbandversorgung, verstärken diese Tendenzen noch. Darüber hinaus werden sich die Konsequenzen des Klimawandels auf die Produktionsgrundlagen der Land- und Forstwirtschaft sowie auf die allgemeinen Lebensbedingungen niederschlagen.

„Ich bin überzeugt davon, dass wir diese Prozesse nicht als naturgegeben hinnehmen müssen, sondern sie steuern und positiv beeinflussen können“, betonte der Landrat. „Eine wichtige Voraussetzung dafür ist es, die Problemfelder zu definieren und in einem Arbeitsbereich zusammenzuführen“. Dies hat der Landrat nun mit der Einrichtung einer Stabsstelle „Ländlicher Raum“, die ihm direkt zugeordnet ist, auf den Weg gebracht.

Die Stabsstelle hat die Aufgabe, ein Leitbild zu erarbeiten, aus dem sich die strategische Ausrichtung des Landkreises für die Dauer der nächsten 10 Jahre ergibt. Im Einzelnen soll sie sich um die Themen kümmern, die für den ländlichen Raum von besonderer Bedeutung sind. Beispielhaft nannte Kubat die derzeit dringendsten Themen wie schnelles Internet (DSL) für alle, bedarfsgerechtes Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs, Ärzte- und Apothekenversorgung auf dem Lande, Denkmalpflege im Einklang mit den Bedürfnissen der Menschen und Maßnahmen für den Klimaschutz. Weitere Aufgaben im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel würden gewiss folgen, dies bringe die Dynamik des Prozesses mit sich. Die Stabsstelle soll die jeweiligen Prozesse koordinieren, organisieren und moderieren und als zentraler Ansprechpartner für alle Beteiligten innerhalb und außerhalb der Kreisverwaltung fungieren.

„Die Verwaltung des Landkreises soll damit auch noch klarer als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger in Erscheinung treten“, so Dr. Kubat weiter. Deshalb habe er die Leitung der Stabsstelle dem bisherigen stellvertretenden Personalchef, Amtsrat Wolfgang Baraniak, übertragen. Dieser erfülle aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und Qualifikation das Anforderungsprofil, das er, Kubat, von dieser Stelle erwarte.

Er lege zudem Wert auf die Feststellung, dass mit der Stabsstelle keine neue Stelle innerhalb der Kreisverwaltung geschaffen werde, sondern dass die notwendigen Kapazitäten durch Aufgabenumverteilungen innerhalb der Verwaltung freigesetzt worden seien.

Eine enge Kooperation erwartet der Landrat zwischen der neu geschaffenen Stabsstelle und der Beauftragten für den KLIMZUG-Prozess (KLIMZUG = Klimawandel zukunftsfähig gestalten). In Bezug auf den Klimaschutz gelte vor allem der Leitgedanke „Global denken, lokal handeln“, da sich durch den Klimawandel besondere Herausforderungen für den ländlichen Raum ergäben. Konsequenzen der globalen Erwärmung wie die Änderung von Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen oder die Steigerung extremer Wetterbedingungen betreffen nahezu alle Lebensbereiche und damit auch Sektoren, die für die regionale Wertschöpfung von Bedeutung sind.

„Klimaschutz ist eine vorausschauende und sinnvolle Aufgabe, wenn es darum geht, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten“ unterstrich Kubat. „Auf lokaler Ebene kann Klimaschutz zudem regionalwirtschaftliche Impulse setzen, denn indem die Potenziale einer Region aufgegriffen werden, bieten entsprechende Maßnahmen sowohl Wettbewerbs- als auch Standortvorteile und tragen so zu einer innovativen, nachhaltigen Regionalentwicklung bei“. Waldeck-Frankenberg könne durch aktiven Schutz des Klimas wie beispielsweise dem Ausbau erneuerbarer Energien oder der energetischen Gebäudesanierung die örtliche Konjunktur ankurbeln und dabei nur gewinnen!

Fragen der Klimaanpassung im Landkreis Waldeck-Frankenberg bearbeitet die seit Oktober 2008 im Korbacher Kreishaus tätige Klimaanpassungsbeauftragte Tanja Müller, die auch Ansprechpartnerin für das Ressort Klimaschutz der Stabsstelle ländlicher Raum sein wird. Die Diplombiologin ist 33 Jahre alt und wird voraussichtlich im Mai auch die Qualifikation einer „zertifizierten Naturpädagogin“ erhalten. Bildungsarbeit gehört insofern auch zu ihren Tätigkeitsschwerpunkten.

Unter dem Motto „KLIMZUG zum Vorzeigen“ deckt sie momentan hauptsächlich folgende Bildungsbereiche ab:

  • Lernwerkstatt Klimawandel
  • Ausstellung zum Klimawandel in Nordhessen, hier Kooperation mit dem Wolfgang-Bonhage-Museum in Korbach, dem Naturkundemuseum in Kassel sowie dem Bergbaumuseum in Borken; Start soll Frühjahr 2011 in Korbach sein
  • Gespräche mit dem BBZ und der VHS zu Bildungsangeboten für Erwachsene