Ansprache von Landrat und Erstem Kreisbeigeordneten: Vier Wochen Corona - wo wir stehen

Veröffentlicht am: 07.04.2020
Mikrofon

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

was wir in den letzten vier Wochen bei uns im Landkreis, in Deutschland und eigentlich auf der ganzen Welt gesehen und erlebt haben, nimmt in uns allen sehr viel Raum ein und bietet kaum noch Platz für andere Gedanken. Ein für das menschliche Auge unsichtbares Wesen namens Corona versetzt uns in Angst und ist dabei selbst stark genug, die mächtigsten Volkswirtschaften der Welt aus den Angeln zu heben und es bringt das gesellschaftliche Leben praktisch zum Erliegen.

All das wird nicht ohne Folgen bleiben und wir Menschen müssen den Umgang mit dieser für uns komplett neuen Welt erst lernen. Zudem werden wir für die Zukunft auch Lehren zu ziehen haben.

Noch aber ist die Situation längst nicht überstanden. Nach der für mich denkwürdigen Ansprache der Bundeskanzlerin an die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes wurden überall Maßnahmen zur Vermeidung von Kontakten umgesetzt. Beginnend mit der Schließung von Schulen und allen Einrichtungen der Kinderbetreuung, folgte ein schrittweises Herunterfahren des öffentlichen Lebens.

Trotz aller Anstrengungen geht die Rate der täglichen Neuinfektionen in Deutschland noch nicht spürbar zurück. Inzwischen haben wir bereits über 100.000 an dem Corona-Virus erkrankte Personen. Bei uns im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es gegenwärtig etwa 100 Erkrankte. Bei der Bekämpfung der Epidemie haben wir schon sehr frühzeitig einen „Stab besondere Lagen“ eingerichtet, von dem aus wir die Lage in den einzelnen Städten und Gemeinden sehr genau im Blick haben und in einem ständigen Austausch untereinander stehen. Dabei gibt es ständig neue Entwicklungen, die selbstredend auch die notwendigen strategischen Planungen und vor allen Dingen Handlungen nach sich ziehen.

Dabei ist uns sehr wohl bewusst, dass manche Entscheidungen nicht überall auf Gegenliebe stoßen, vielleicht sogar als Bevormundung oder als Eingriff in die Persönlichkeitsrechte empfunden werden. Es geht aber bei alldem nur um zwei ganz wichtige Punkte in der Gesamtabwägung. Dieses sind die Gewährleistung der medizinischen Versorgung der Menschen und die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung mit der zugehörigen Infrastruktur.

Nach wie vor gibt es keinen Anlass für eine Lockerung der geltenden Einschränkungen, aber es gibt Zeichen der Hoffnung. Die Bevölkerung unseres Landkreises verhält sich vorbildlich. Die Menschen begegnen einander sorgsam und mit viel gegenseitiger Rücksichtnahme. Besonders möchten wir an dieser Stelle auch allen Kindern und Jugendlichen, allen Schülerinnen und Schülern gegenüber unseren Dank und unsere Anerkennung zum Ausdruck bringen. Auf die Kommunion oder Konfirmation zu verzichten ist nicht leicht, keine Abschlussfeier nach den abgelegten Prüfungen ist Mist, die ausgefallenen Klassenfahrten kehren nicht wieder. Das ist wirklich schade.

Die vor uns liegende Zeit wird geprägt sein von dem Fortgang der neuen Infektionen. Wir sind im Grunde genommen sehr zufrieden, wissen aber auch, dass gerade unsere Krankenhäuser und alle Formen der Unterkünfte eines besonderen Augenmerks bedürfen. Gerade die Altenheime haben wir hierbei im Blick und begleiten sie sorgsam. Wichtig ist auch eine sehr intensive Abstimmung mit unseren nordhessischen Nachbarkreisen. Hier gibt es eine sehr befruchtende Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfestellung.

Sie alle kennen den alten Spruch, dass Not erfinderisch macht. Das erleben wir jetzt hautnah und freuen uns über vielfältige Initiativen in Vereinen und Verbänden, ganz stark aber auch in der heimischen Wirtschaft. Tolle Unterstützung kommt von dort und wird nur durch den Wunsch angetrieben, dass wir die Situation schnell und einigermaßen schadlos überstehen. Das ist unser großes Ziel. Wir wollen bald zur Normalität zurück und das gesellschaftliche wie auch das wirtschaftliche Leben wieder neu entfachen.

Am Ende wollen wir nicht außer Acht lassen, dass in jeder schwierigen Situation auch ein kleiner Keim der Hoffnung steckt. Es könnte zum Beispiel eine Erkenntnis sein. Sie könnte lauten, dass zu viel Sorglosigkeit bei vielem was wir tun nicht gut ist. Wir könnten auch zu einer neuen Wertschätzung für unser Gesundheitssystem gelangen. Es ist sehr stark und leistungsfähig und darf niemals nur unter Kostenaspekten betrachtet werden. Und es geht auch um das Leben im Ländlichen Raum. Jetzt spielen wir unsere große Stärke aus und geben mehr als Geborgenheit zum richtigen Zeitpunkt. Wir wünschen Ihnen ein Osterfest der Hoffnung und Zuversicht!

Reinhard Kubat                            Karl-Friedrich Frese
- Landrat -                                    - Erster Kreisbeigeordneter -