Kindergärten in Waldeck-Frankenberg öffnen eingeschränkt: Landkreis gibt Empfehlungen

Veröffentlicht am: 28.05.2020
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Ab dem 2. Juni dürfen die Kindertagesstätten in Hessen unter den Maßgaben des Infektionsschutzgesetzes in einen eingeschränkten Regelbetrieb starten. Das hat das Land in einer entsprechenden Verordnung geregelt. In einer Telefonkonferenz haben sich Landkreis und Städte und Kommunen über praxistaugliche Empfehlungen für die Kita-Öffnung in Waldeck-Frankenberg abgestimmt. 

Das eingeschränkte Angebot gilt zunächst nur für Kinder, deren Elternteile beide berufstätig sind und von denen eines zu einer systemrelevanten Berufsgruppe nach der zweiten Corona-Verordnung des Landes angehört. Weiterhin dürfen Kinder von berufstätigen oder studierenden Alleinerziehenden oder von Schülern oder Studierenden das Angebot in Anspruch nehmen – ebenso wie Kinder mit Behinderung, bei denen ein besonderer Härtefall vorliegt oder bei denen eine Betreuung zur Sicherung des Kindeswohls erforderlich ist.

Wenn dann noch Kapazitäten frei sind, sollten diese aus Sicht des Landkreises vorerst an Kinder aus Familien mit erzieherischen Hilfen, psychisch kranker Eltern, Kinder mit geringer Sprachkompetenz oder die im letzten Jahr vor der Einschulung stehen vergeben werden oder an solche, deren Eltern beide berufstätig sind – unabhängig von der Berufsgruppe. Ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz besteht aktuell nicht.

Schutz der Gesundheit ist oberstes Ziel

„An oberster Stelle steht dabei der Schutz der Gesundheit unserer Kinder und der Beschäftigten in den Betreuungseinrichtungen“, betont Landrat Dr. Reinhard Kubat. „Unter Beachtung der notwendigen Hygiene- und Verhaltensregeln sollen die Träger der Kitas aber einen Gestaltungsspielraum haben, um möglichst vielen Kindern gute Bildung und Betreuung zu bieten“, ergänzt der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheits- und Jugenddezernent Karl-Friedrich Frese.

Für jede Einrichtung ein individuelles Konzept

„Für jede Kita muss in Zeiten der Pandemie ein spezielles Konzept erarbeitet werden – angepasst an die örtlichen Gegebenheiten und unter Berücksichtigung der Hygieneempfehlungen des Landes Hessen“, sagt der Leiter des Fachdienstes Jugend beim Landkreis Andreas Strake. Hierüber informieren die Kitas die Eltern noch einmal gesondert. aHauH„Bei den Konzepten soll es aber nicht nur um Betreuung an sich gehen, sondern insbesondere auch um frühkindliche Bildung“ ergänzt Beate Hecker, die beim Landkreis für die Kindertagesstätten-Aufsicht zuständig ist.

Der Landkreis hat unter Berücksichtigung der Landesvorgaben und –hinweise konkrete Empfehlungen für den Praxisalltag erarbeitet, die darauf abzielen, einen langfristigen – wenn auch eingeschränkten – Kita-Betrieb zu ermöglichen. Für die Umsetzung sind aber grundsätzlich die Träger der Kitas verantwortlich. Dabei gilt: Es kann nur so viel Betreuung angeboten werden, wie Fachkräfte und Räumlichkeiten unter den eingeschränkten Bedingungen zur Verfügung stehen. Gruppenkonstellationen, die vor der Pandemie bestanden, müssen unter Umständen aufgelöst oder umorganisiert werden. Auch die Öffnungszeiten der Kitas dürfen individuell an die Situation angepasst werden.

Empfehlungen für den Alltag

Der Landkreis empfiehlt, dass maximal die Hälfte der genehmigten Kita-Plätze im eingeschränkten Regelbetrieb belegt werden sollten. Kindergruppen im Alter von drei bis sechs Jahren sollten in der Regel maximal aus 12 Kindern bestehen, altersübergreifende Gruppen aus zehn, Krippengruppen aus sechs und Wald- und Naturgruppen aus maximal 20 Kindern. Die Zusammensetzung der Gruppen sollte dabei konstant beibehalten werden; auch die Betreuer sollten nicht wechseln. Geschwisterkinder sollten möglichst in einer Gruppe betreut werden.

Gestaffelte Bring- und Abholzeiten sorgen dafür, dass sich möglichst wenige Menschen im Eingangsbereich der Tagesstätten begegnen. Auch sollten die Kinder am Eingang von den Betreuern in Empfang genommen und Eltern gebeten werden, einen Mund-Nasenschutz zu tragen und auf die Mindestabstände zu achten – auch draußen vor den Einrichtungen. Persönliche Gespräche mit den Eltern sollten möglichst telefonisch stattfinden.

Feste Räume für konstante Gruppen

Ein Gruppenraum soll fest einer Gruppe zugewiesen sein. Dafür dürfen auch andere geeignete Räumlichkeiten außerhalb der Kita genutzt werden, die in der Regel nicht für die Betreuung von Kindern vorgesehen sind. Grundsätzlich sollte regelmäßig gelüftet werden. In der gesamten Kita sollte die Wegeführung, beispielsweise durch Markierungen auf dem Boden, so gestaltet werden, dass sich Kinder unterschiedlicher Gruppen möglichst wenig begegnen. Das gilt auch für das Außengelände. Die Sanitärbereiche sollten – wenn möglich – zeitlich versetzt genutzt werden.

Regeln spielerisch vermitteln

Es wird empfohlen, die Betreuungs- und pädagogischen Angebote bei schönem Wetter verstärkt nach draußen zu verlegen, da sich das Infektionsrisiko an der frischen Luft verringert. In den festen Gruppen darf gemeinsam zu Mittag gegessen werden. Hier sollte aber besonders auf die geltenden Hygieneregeln und gründliches Händewaschen vor und nach dem Essen geachtet werden. „Das darf den Kindern auch gern spielerisch vermitteln werden“, empfiehlt Beate Hecker. „Denn auch den Jüngsten unserer Gesellschaft muss diese besondere Situation, in der wir uns befinden, altersgerecht erklärt werden.“

Zudem gelten besondere Hygieneempfehlungen für die Räumlichkeiten der Kitas, die besonders intensiv und häufig gereinigt werden sollten – insbesondere Kontaktflächen wie Türklinken, Lichtschalter oder Griffe. Das gilt auch für die Spielzeuge der Kinder. Spielmaterialien, die schlecht gesäubert werden können wie Knete oder Spielzeug aus Holz, sollten erst einmal nicht zur Verfügung gestellt und textile Materialien wie Kissen, Decken, Teppiche möglichst durch abwaschbare ersetzt werden. Jede Einrichtung muss ein individuelles Hygienekonzept entwickeln.

Zudem sollten Kinder oder Erzieher mit Erkältungssymptomen grundsätzlich zuhause bleiben – auch, wenn nicht sie selbst, aber Familienmitglieder sich krank fühlen. Kinder haben nach aktuellen Erkenntnissen mildere Covid-19-Verläufe oder gar keine Symptome. Daher besteht die Gefahr einer unerkannten Infektion, die unbemerkt weitergetragen werden kann. „Einen absoluten Schutz vor einer Ansteckung wird es nicht geben können“, betonen der Landrat und Erste Kreisbeigeordnete abschließend gemeinsam. „Die Beachtung unserer Empfehlungen und Einhaltung der geltenden Regelungen sollen aber einen größtmöglichen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus in Kindertagesstätten bieten.“