Landrat Dr. Reinhard Kubat zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit: „Gewinn für alle“

Veröffentlicht am: 02.10.2020
Reinhard Kubat
Eigentlich wollte der Landkreis Waldeck-Frankenberg den 30. Jahrestag der deutschen Einheit mit einem Bürgerfest begehen – die Corona-Pandemie hat diesen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dennoch erinnert Landrat Dr. Reinhard Kubat an das wegweisende und geschichtsträchtige Jubiläum und bezeichnet die Wiedervereinigung als einen entscheidenden Wendepunkt der deutschen und europäischen Geschichte.

„Viele von und sind noch mit der Realität eines getrennten Deutschlands aufgewachsen und wohl keiner von uns hat tatsächlich geglaubt, dass die Wiedervereinigung kommen könnte“, so der Landrat. „Das Maximum dessen, was wir erhofft haben, war eine Liberalisierung der Beziehungen, die auch die Begegnung der Menschen beider deutscher Staaten erleichtern sollte. Der Mauerfall kam dann vollkommen überraschend. „Der 9. November 1989 ist einer der glücklichsten Tage der deutschen Geschichte, der vielleicht nur noch vom 3. Oktober 1990 übertroffen wird – dem Tag, an dem Deutschland wieder zu einer staatlichen und nationalen Einheit zusammengewachsen ist.“ Gerade die Region Nordhes-sen habe von der Wiedervereinigung profitiert. Sie sei vom „Zonenrandgebiet“, das teil-weise nur durch besondere Förderungen des Bundes habe existieren können, zu einer boomenden Region in der Mitte Europas geworden.

Aber als noch wichtiger betrachte der Landrat die menschliche Komponente des Vereini-gungsprozesses: Das Zusammenwachsen sei nicht einfach gewesen, denn die Jahrzehnte der strikten Trennung hätten tiefere Gräben hinterlassen als man es sich zunächst habe vorstellen können. Die beiden deutschen Staaten seien Bestandteile rivalisierender Machtblöcke mit radikal unterschiedlichen Ideologien gewesen. Dies habe die Menschen geprägt und selbst innerhalb der durch den Eisernen Vorhang getrennten Familien Spuren hinterlassen. Es sei wichtig gewesen, Verständnis füreinander zu entwickeln und die Geschichte des jeweils anderen zu akzeptieren, so Kubat.

„Bei meinen Reisen durch die neuen Bundesländer, die ich mit der Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ unternommen habe, bin ich vielen aufgeschlossenen und sehr sozial eingestellten Menschen begegnet, die die Chancen der Einheit erkannt und genutzt haben. 40 Jahre der Trennung haben unsere Nation zwar geprägt, aber sie haben uns nicht auf Dauer entzweit“, so der Landrat weiter. Die deutsche Einheit sei ein Geschenk gewesen, das es zu wahren und zu entwickeln gelte. Dies beinhalte auch den Auftrag, die Demokratie in unserem Land zu schützen und eine verantwortliche Stellung in der europäischen und in der Weltgemeinschaft einzunehmen. „Für mich ist der 3. Oktober 1990 der wichtigste Termin in der neueren deutschen Geschichte“, betont der Landrat. „Er hat uns den Auftrag gegeben, uns unserer Vergangen-heit immer bewusst zu bleiben, aber zugleich eine aktive Rolle für Frieden und Selbstbe-stimmung aller Menschen zu übernehmen, die noch nicht in dieser Freiheit leben können, die uns so selbstverständlich geworden ist.“