Landkreis realisiert Neubau der Beruflichen Schulen im Rahmen eines PPP-Modells

Veröffentlicht am: 05.11.2020
2020_11_05 Landkreis realisiert Neubau der Beruflichen Schulen Korbach Bad Arolsen im Rahmen eines PPP-Modells

Im Rahmen der bereits begonnenen Sanierung der Beruflichen Schulen Korbach/Bad Arolsen am Standort Kasseler Straße in Korbach wurde auch die Außenstelle in der Klosterstraße, die ehemalige Alte Landesschule, in die Planungen einbezogen. „Anlass und Zeitpunkt haben es im Grunde nahegelegt, über ein neues, integrales Standortkonzept bei den Beruflichen Schulen nachzudenken und die Zusammenführung der bislang getrennten Einheiten zu überprüfen“, erläutert Erster Kreisbeigeordneter und Baudezernent Karl-Friedrich Frese.

Aus organisatorischen, pädagogischen, technischen und finanziellen Erwägungen heraus, habe man sich nach sorgfältiger Abwägung aller Fakten dazu entschlossen, die Nebenstelle in der Klosterstraße aufzugeben und stattdessen einen Ersatzneubau beim Schulzentrum an der Kasseler Straße zu errichten. Im Oktober 2018 stimmte der Kreistag diesen Planungen zu. Wie der EKB weiter berichtet, stand im Vorfeld konkreter Umsetzungsschritte zunächst die Frage der geeigneten Finanzierung zur Debatte. Neben der klassischen Variante der Eigenfinanzierung habe das Hessische Finanzministerium in einem Leitfaden für die Kommunen bei öffentlichen Investitionen auch das Modell der Public Private Partnership (PPP) empfohlen. „Wir haben uns deshalb nach eingehender Beratung mit einem Wirtschaftsprüfungsbüro dazu entschlossen, diesen Weg zu versuchen und herauszufinden, ob die Zusammenarbeit mit einem privaten Bauträger oder Investor für den Kreis günstiger sein könnte als die traditionelle Eigenfinanzierungsvariante“, so Frese.

Über das Vergabeportal der Hessischen Ausschreibungsdatenbank sowie das Informationssystem der Europäischen Gemeinschaft wurde das Projekt ausgeschrieben. Vier Bewerber aus Hessen, Niedersachsen und NRW reichten einen Teilnahmeantrag ein und wurden zu einem sogenannten Verhandlungsverfahren eingeladen. Drei der Bewerber nahmen an den beiden Verhandlungsrunden teil und erläuterten ihre architektonischen, bautechnischen und finanziellen Planungen.

„Für uns stand die Frage im Mittelpunkt, ob ein PPP-Modell tatsächlich Einsparungspotenziale für den Landkreis bringen würde und zwar nicht nur kurzfristig, sondern bezogen auf eine Laufzeit von 25 Jahren“, sagt der Baudezernent. In die Berechnung seien nicht nur die Kosten des Baus an sich, sondern auch die jährlichen Betriebskosten inklusive der anteiligen Kosten für eine Hausmeisterstelle eingeflossen.

Insgesamt habe sich bei der Bilanzierung ergeben, dass der Landkreis über den genannten Zeitraum hinweg, beim günstigsten Anbieter Einsparpotenziale in einer Größenordnung von rund 2 Millionen Euro erzielen kann. Deshalb, so Frese, habe man sich für das PPP-Modell entschieden, das man durchaus auch Pilotprojekt für andere öffentliche Bauvorhaben sehe. Man werde die dabei gewonnenen Erkenntnisse einer genauen Betrachtung unterziehen und überprüfen, welche weiteren Projekte man ggf. auf diese Weise realisieren könne.

Mittlerweile haben Kreisausschuss und Kreistag dem Verfahren zugestimmt, so dass dieses für den Schulbau des Landkreises neuartige Projekt nun umgesetzt werden kann. Zum Zeitplan gab Frese an, dass der Umzug der Beruflichen Schulen von der Nebenstelle in der Klosterstraße an das Schulzentrum in der Kassler Straße zum 1. August 2022 erfolgen solle. Das alte Gebäude wurde bereits veräußert, der neue Eigentümer wird es zum 1. Januar 2023 übernehmen.


Hintergrund:
Der Ersatzneubau ist als dreigeschossiges Gebäude geplant mit 17 Klassenbereichen, einem EDV-Bereich, Lehrerstützpunkten auf den jeweiligen Etagen. Des Weiteren wird er einen eigenen Trakt für die Fächer Medizin/Zahnmedizin umfassen. Hinzu kommen die notwendigen Nebenräume u.a. für Server und Technik sowie für Putzmittel und für WC-Anlagen. Das Gebäude wird barrierefrei sein und über einen Aufzug verfügen. Die Unterrichtsflächen sind als sogenannte „Lernlandschaften“ konzipiert, offene und jederzeit zugängliche Bereiche, welche die herkömmlichen Klassenräume ersetzen. Platz finden sollen in dem Gebäude insgesamt 90 Schülerinnen und Schüler im Vollzeitunterricht, 465 Schülerinnen und Schüler in Teilzeitunterricht, 26 Lehrkräfte in Vollzeit- und 10 Lehrkräfte in Teilzeitbeschäftigung.