Landrat: Offensichtlicher Gedächtnisverlust bei CDU bezüglich Schienenstrecke Korbach - Frankenberg

Veröffentlicht am: 05.07.2012

Einen offensichtlichen Gedächtnisverlust beklagt Landrat Dr. Reinhard Kubat bei der CDU-Kreistagsfraktion. Deren Vorsitzender Karl-Friedrich Frese hatte sich in einer öffentlichen Stellungnahme gegen die Reaktivierung der Bahnstrecke Korbach-Frankenberg ausgesprochen und angekündigt, seine Fraktion werde versuchen, eine Zustimmung des Kreistages zu diesem Projekt zu verhindern.

„Im Dezember 2001 hat die CDU-Fraktion im Kreistag noch geschlossen dem Gesamtpaket der Maßnahmen im Rahmen der Kurhessenbahn zugestimmt, das auch ausdrücklich die Wiederinbetriebnahme der Bahnverbindung zwischen Korbach und Frankenberg zum Inhalt hatte", so Kubat. „Auch als der NVV 2007 einseitig die Verträge kündigte, hagelte es Kritik seitens der CDU unter dem damaligen Landrat Helmut Eichenlaub". Im Kreistag habe die CDU im September 2007 einstimmig einen Resolutionsbeschluss mitgetragen, der ein Festhalten am Lückenschluss zwischen Korbach und Frankenberg forderte.

Offenbar habe sich die CDU ganz von ihren ursprünglichen Positionen verabschiedet und wende sich nun gegen das von ihr einmal mit beschlossene Projekt, aus offensichtlich populistischen Gründen. Dabei seien die angeführten Argumente eher fadenscheinig. So weise Frese darauf hin, dass die Bahnhöfe zu weit von den Orten entfernt seien, was die Attraktivität der Bahn bei potenziellen Kunden schmälere. Dem hält der Landrat entgegen, dass der NVV bei sanierten Abschnitten teilweise schon neue Haltepunkte in ortsnaher Lage eingerichtet habe, etwa in Wetter an der Verbindung Marburg - Frankenberg. Außerdem solle der Lückenschluss die überregionale Anbindung über die Schiene sicherstellen, etwa in die Ballungszentren Rhein-Main und Rhein-Ruhr.

„Ich finde, man muss diesem Projekt eine Chance geben sich zu bewähren", fordert Kubat. „Auch gegen den Nationalpark wurde damals Stimmung gemacht, heute sind alle stolz auf unser UNESCO-Weltnaturerbes im Landkreis". Natürlich könne man keine Erfolgsgarantien abgeben, aber vieles spreche doch dafür, dass es eine „Rückkehr zur Bahn" geben könnte. Allein die Entwicklung der Benzinpreise werde dazu führen, dass die Bürgerinnen und Bürger verstärkt auf den ÖPNV und damit auch auf die Bahn umstiegen. Die finanziellen Konditionen, die jetzt im Raum stünden seien ebenfalls nicht unabänderlich, betonte der Landrat. Wenn die Menschen -aber auch der Güterverkehr- die Schiene wieder verstärkt nutzten, dann werde sich auch der Zuschussbedarf verringern. Hinsichtlich der Investitionskosten von 14 Mio. Euro verwies der Landrat auf die Stellungnahme des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der den Finanzierungsbedarf als vergleichsweise günstig eingestuft hatte.

Kubat erinnerte daran, dass schon sein Vor-Vorgänger im Amt, Dr. Horst Bökemeier, Mitte der 90er Jahre bei einer Diskussion im Kreistag über die Reaktivierung regionaler Bahnverbindungen gesagt habe: „Auch wenn unsere Entscheidung dafür sich später einmal als falsch herausstellen sollte, so ist sie doch heute richtig". Dem könne man sich nur anschließen.

„Ich bin jedenfalls glücklich darüber, dass wir nach 5 Jahren vergeblicher Bemühungen heute wieder eine Situation haben, die uns Perspektiven für die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Korbach- Frankenberg eröffnet", erklärte der Landrat. Es sei ihm ein Bedürfnis, allen, die daran mitgewirkt haben zu danken, sowohl den Kollegen in Aufsichtsrat des NVV, dem NVV selbst, den Verantwortlichen im Hessischen Wirtschaftsministerium, den zuständigen Mitarbeitern der Kreisverwaltung sowie den Persönlichkeiten und Gruppen, die sich vor Ort für das Projekt engagiert haben. Insbesondere nannte Kubat die Interessengemeinschaft zur Reaktivierung der Bahnstrecke Korbach - Frankenberg, die sowohl wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet und in den Sommermonaten mit viel finanziellem wie auch persönlichem Einsatz einen Betrieb zwischen Frankenberg und Herzhausen ermöglicht habe.

„Ich werde jedenfalls im Kreistag um eine breite  Zustimmung zu diesem Projekt werben", so der Landrat. Der Kreisausschuss hatte bereits in der vergangenen Woche grünes Licht für eine finanzielle Beteiligung des Landkreises gegeben.