Kreisspitze gegen Zulassung von genmanipuliertem Mais

Veröffentlicht am: 17.02.2014

Mais
Als Skandal bezeichneten Landrat Dr. Reinhard Kubat, Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf und der auf Kreisebene für Direktvermarktung und Verbraucherschutz zuständige Beigeordnete Fritz Schäfer die Entscheidung der EU, die gentechnisch veränderte Maissorte Pioneer 1507 in Europa zuzulassen. „Damit wird eine Grenze überschritten, hinter die wir nicht mehr zurückkönnen", befürchtet der Landrat.

„Das Schlimme ist, dass es noch keinerlei gesicherte Erkenntnisse darüber gibt, welche ökologischen  Konsequenzen die gentechnischen Manipulationen haben". Die fragliche Maissorte produziere ein Insektengift und er sorge sich, insbesondere auch in seiner Eigenschaft als Jungimker, darum, ob damit eine Gefährdung für Bienen und andere nützliche Insekten entstehe, so Kubat. Auch könne man nicht mit Sicherheit ausschließen, dass über Produkte wie Honig das Insektengift auch in die menschliche Nahrungskette gelange, obwohl die betreffende Maissorte vor allem als Tierfutter oder Energieträger für Biogasanlagen Verwendung finden soll.

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf kritisiert, dass ausgerechnet die Bundesregierung durch ihre Enthaltung bei der Abstimmung eine qualifizierte Mehrheit gegen die Einführung des Genmaises verhindert habe. „Die Enthaltung ist damit faktisch eine  Zustimmung", kommentiert der Erste Kreisbeigeordnete. „Die Bundeskanzlerin hat sich über die Bedenken von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich hinweggesetzt und eine Entscheidung für die Industrie und gegen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger ermöglicht". Vor diesem Hintergrund erscheine auch die von Landwirtschaftsminister Friedrich ins Gespräch gebrachte  Möglichkeit einer nationalen Ausstiegsklausel als wenig erfolgversprechend. Offenbar sei die Kanzlerin wild entschlossen, Deutschland zum Gentechnikstandort zu machen.

Auch Kreisbeigeordneter Fritz Schäfer verurteilt die Brüsseler Entscheidung scharf. Allerdings ist er auch überzeugt davon, dass die Landwirte in Waldeck-Frankenberg kein Interesse am Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen haben. „Diesen Eindruck konnte ich in zahlreichen Gesprächen mit Bauern aus unserem  Landkreis gewinnen. Schäfer weist auch noch einmal darauf hin, dass die Landwirte in Waldeck-Frankenberg von der Möglichkeit Gebrauch machen können, eine freiwillige Verzichtserklärung bezüglich der Nutzung gentechnisch veränderter  Pflanzen zu unterzeichnen.

Alle drei Dezernenten sind sich einig darüber, dass die heimische Region nicht zum Versuchsfeld für Gentechnik gemacht werden darf. Man überlege derzeit  auch, dem Kreistag eine entsprechende Resolution zur Beratung und Beschlussfassung vorzuschlagen.