Kein Badeverbot am Edersee: Gesundheitsamt prüft laufend das Blaualgenvorkommen

Veröffentlicht am: 04.09.2015

Kein Badeverbot am Edersee - Gesundheitsamt überprüft laufend das Blaualgenvorkommen

Am 31. August 2015 hat die Gemeinde Edertal auf Anraten des Fachdienstes Gesundheit am „Rehbach" Badehinweise aufgehängt, aufgrund der zurzeit sehr starken Blaualgen-Entwicklung, erkennbar durch grüne Schlieren und grüne Flocken. Hierbei handelt es sich nicht, wie der Begriff Blaualgen vermuten lässt, um Algen, sondern um Bakterien - die Cyanobakterien.

Im Jahresverlauf werden regelmäßig mikrobiologische Untersuchungen (Temperatur, Escherichia coli und intestinale Enterokokken) durchgeführt, zuletzt am 20. August 2015 mit unauffälligen Werten. Neben den vorab festgelegten mikrobiologischen Beprobungen werden die Badeseen vom Fachdienst Gesundheit regelmäßig in Augenschein genommen und die Sichttiefe gemessen. Eine Verminderung der Sichttiefe ist ein Hinweis auf das vermehrte Wachstum der Cyanobakterien. Die weiterführende Abklärung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Enge Absprachen gibt es auch mit dem HLPUG (Hessisches Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen). Die Konsequenz war dann das Aussprechen des Warnhinweises.

Je nach Wassermenge im Edersee erhöht sich die Phosphatfracht im Wasser und damit auch das Blaualgen-Wachstum. In diesem Jahr haben wir Extrembedingungen mit einem sehr niedrigen Wasserstand und dem langen warmen Sommerwetter gehabt, was das Wachstum der Cyanobakterien fördert. Dies ist unter Berücksichtigung dieser äußeren Umstände kein ungewöhnliches Phänomen.

Cyanobakterien können je nach Strömung und Wasserverhältnissen plötzlich auf- und abtauchen. Die Entwicklung steht im engen Zusammenhang mit der Sonneneinstrahlung. Bei Regenfällen nimmt die Population ab, die Blaualgen sinken im Wasser ab. Im Laufe dieser Woche (KW 36) wird der Edersee nochmals in Augenschein genommen und die Sichttiefe gemessen, um die Entwicklung zu beurteilen und zu klären, inwieweit weiterhin eine Warnung erforderlich ist. Insbesondere aufgrund der Konstellation mit dem niedrigen Wasserstand, dem langen warmen Sommerwetter und den zu erwartenden Folgen, z. B. Cyanobakterien-Wachstum, ist diese Überwachung besonders intensiv in den letzten Wochen durchgeführt worden.

Die Konzentration von Cyanobakterien hängt vom Ort der Probeentnahme (z. B. Abstand zum Ufer, Wassertiefe) ab und auch davon, wo die Cyanobakterien gerade auftauchen. Der Wert ist deshalb nicht für die Badestelle an sich absolut zu sehen. Auch die Toxikonzentrationen schwanken.

Welche Risiken bestehen und wie muss ich mich verhalten? 

Es gilt die Empfehlung, dass immer dann, wenn Blaualgen sichtbar sind, versucht werden sollte, diese Gebiete zu meiden und besonders Kleinkinder zu schützen. Auch Hunde, die beim Baden häufiger Wasser schlucken, sollten speziell geschützt werden.

Ein Gesundheitsrisiko durch Cyanobakterien besteht insbesondere, wenn Wasser in hohen Konzentrationen geschluckt wird oder in die Atemwege gelangt. Am ehesten passiert dies bei Wassersportarten mit intensivem Wasserkontakt, wie beispielsweise Windsurfen, Tauchen, Wasserskifahren oder auch beim Kopfsprung. Eine Aufnahme von Cyanotoxinen durch die Haut ist unwahrscheinlich. Allerdings kann es durch manche Wirkstoffe der Blaualgen zu Hautreizungen, Entzündungen oder allergischen Reaktionen kommen.

Eine gesundheitliche Belastung ist insbesondere an Ufergebieten, an denen ein dichter Blaualgenteppich besteht, und dort, wo sichtbare Algen im Wasser in Erscheinung treten, zu erwarten. Allerdings ist (s.o.) auch bei geringem Cyanobakterien-Wuchs an der Oberfläche davon auszugehen, dass in tieferen Wasserschichten durchaus mehr Cyanobakterien, die abgesunken sind, vorhanden sein können. Auch deshalb wird die Empfehlung ausgesprochen, an betroffenen Stellen nicht zu tauchen.