Austausch mit WIBank: Landkreis will Förderung für Projekte erreichen
Im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, kurz GRW-Förderung, stellen Bund und Länder Mittel bereit, um Projekte zu unterstützen, die die regionale Wirtschaft stärken. Der Landkreis, seine Wirtschaftsförderung und einige Kommunen bzw. Unternehmen wollen für drei Projekte in Waldeck-Frankenberg eine Zuwendung erreichen – und haben sich dazu vor Ort mit dem Regierungspräsidenten Mark Weinmeister und Vertretern der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, kurz WIBank, ausgetauscht, die das Verfahren in Hessen abwickelt.
Wirtschaft gestalten, Potenziale aktivieren, Flächenverbrauch senken
Das Programm wurde zum 1. Januar modernisiert. „Der Zugang zur Regionalförderung ist seit diesem Jahr vereinfacht. Mit der Neuauflage sind Verfahren zur Reaktivierung von Industrie und Gewerbeflächen deutlich einfacher“, erklärt der Wirtschaftsförderer des Landkreises Dimitrij Schmalz. Künftig rücken Vorhaben aus den Feldern Digitalisierung, Nachhaltigkeit, touristische Infrastruktur, regionale Wertschöpfung sowie die Entwicklung von Industrie und Gewerbeflächen stärker in den Fokus.
„Die Reform zielt darauf an, die regionale Wirtschaftsstruktur nachhaltiger zu gestalten und gleichwertige Lebensverhältnisse zu fördern – insbesondere in ländlichen Regionen mit viel Potenzial“, sagt Landrat Jürgen van der Horst. „Dazu passen auch drei Projekte im Landkreis, zu denen wir uns derzeit gemeinsam mit Vertretern der WIBank austauschen.“ Vor Ort lernten die Vertreter die unterschiedlichen Vorhaben in Bad Arolsen, Mengerinhausen und Berndorf kennen.
Entwicklung eines Wohnquartiers auf dem Lahrmann-Areal in Bad Arolsen
Ziel der Stadt Bad Arolsen ist es, auf dem Gelände des ehemaligen Lahrmann-Areals, ein qualitativ hochwertiges Wohnquartier zu entwickeln, in dem aktuelle Anforderungen an nachhaltige Baumaterialien, regenerative Energienutzung und Maßnahmen zu Klimaschutz und -anpassung Berücksichtigung finden. „Nachhaltiger und attraktiver Wohnraum in ansprechender Umgebung ist ein wichtiger Big Point in der Fachkräfteakquise und dient unmittelbar der Stärkung der heimischen Wirtschaftsstruktur“, betont der Bürgermeister der Stadt Bad Arolsen Marko Lambion. „Das optimal gelegene Lahrmann-Areal erfüllt alle Voraussetzungen, wenn es uns gelingt, das Gelände zielgerichtet, strukturiert und vor allem wirtschaftlich zu einem zukunftsweisenden Wohnquartier zu entwickeln.“
Verwertung mineralischer Bauabfälle in Mengeringhausen
Zudem möchte die Firma Wenowa Baustoffe in Meneringhausen einen energieautarken, vollelektrischen und digital gesteuerten Wertstoffhof zur Annahme, Aufbereitung und Verwertung mineralischer Bauabfälle etablieren – inklusive Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur, vollelektrifiziertem Maschinenpark und digitaler Steuerungssysteme. Ziel ist die Förderung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft mit CO₂-Reduktion, regionaler Wertschöpfung sowie langfristiger Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit. "Mitten in Nordwaldeck entsteht mit unserem energieautarken Wertstoffhof ein neuer Maßstab für die Verwertung mineralischer Bauabfälle“, sagt Geschäftsführer Jörg Marpe. „Durch moderne elektrische Technologien, digitale Intelligenz und echte Kreislaufwirtschaft schaffen wir hier ein zukunftsweisendes System, ökologischen Mehrwert und treiben den Weg in eine CO₂ arme Zukunft voran. Damit stärken wir nicht nur die Umwelt, sondern auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unserer Region.“
Umnutzung des ehemaligen Wilke-Geländes in Berndorf
Die Gemeinde Twistetal möchte in Berndorf das „Stukenhof-Gelände“, das Areal der ehemaligen Unternehmens Wilke revitalisieren – einschließlich des Rückbaus der schadstoffbelasteten Gebäude und anschließender Nachnutzung. Der Rückbau wurde in zwei Bauabschnitte gegliedert: Der erste wurde bereits umgesetzt und umfasste die Gebäudeschadstoffsanierung, den maschinellen Abbruch und die zusätzliche Betonsanierung. Der zweite Bauabschnitt ist in Planung. Geprüft wird auch die Nutzung des sanierten Hauptgebäudes als Rohbau für eine künftige Folgenutzung. „Das Stukenhof-Areal ist Aufgabe und Chance zugleich“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Twistetal Friedrich Vogel. „Eine zukunftsorientierte Entwicklung inklusive des Schulneubaus für die Twistetaler Grundschule ist das erklärte Ziel der Gemeinde.“
Inwiefern die vorgestellten Projekte die Förderbedingungen für die GRW-Förderung erfüllen, obliegt der Bewertung der WIBank, die in Hessen die Antragsstellung abwickelt und im Rahmen der Richtlinien über die nicht rückzahlbaren Investitionszuschüsse der Anteilsfinanzierungen entscheidet. In 2026 stehen deutschlandweit insgesamt etwa 1,3 Milliarden Euro für die GRW zur Verfügung. Die Finanzierung teilen sich Bund und Länder jeweils hälftig. „Die Maßnahmen sind hoch interessant und sehr kreativ“, sagt der Sprecher der Geschäftsleitung der WIBank Gottfried Milde. „Wir schauen uns alle Fördermöglichkeiten sehr gern an und prüfen natürlich auch eine mögliche GRW-Förderung.“
Bildunterschrift: Sahen sich gemeinsam mögliche Förderprojekte an: Der Wirtschaftsförderer des Landkreises Dimitrij Schmalz, Marcus Runge von der WIBank, Landrat Jürgen van der Horst, Twistetals Bürgermeister Friedrich Vogel, Regierungspräsident Mark Weinmeister, Bad Arolsens Bürgermeister Marko Lambion und Gottfried Milde und Matthias Wulff von der WIBank. (Foto: Landkreis Waldeck-Frankenberg)
