Umweltbildung ganz praktisch – Landrat besucht Grundschule Berndorf

Im Februar wurden vermehrt Pflegearbeiten an Hecken und Sträuchern durchgeführt, da dieser Strauchschnitt aus Natur- und Artenschutzgründen rechtlich nur bis Ende des Monats erlaubt war. Auch in den Außenanlagen der Grundschule Berndorf rings um den Schulhof fanden die Pflegearbeiten statt. Mit der Schulleitung war die Pflegemaßnahme  nicht abgestimmt, bei den Arbeiten wurden auch versehentlich zwei Bäume entfernt, die von den Schulkindern in einem Projekt gepflanzt worden waren.

Die „Ideen-AG Mitbestimmung und Demokratie“ der 3. und 4. Klassen der Schule hat den Anblick der heruntergeschnittenen Sträucher zum Anlass für einen Brief an Landrat Jürgen van der Horst genommen. Die Mädchen und Jungen wollten den Grund für die „Abholzung“ wissen und ob es keine Möglichkeit gegeben hätte, dass sie vorher gefragt worden wären.  Diese Initiative hat den Landrat so beeindruckt, dass er bei der „Ideen-AG“ in Berndorf vorsprach, um anhand dieses Praxisbeispiels persönlich zur Umweltbildung beizutragen. Zusammen mit Fachfrau Jessika Sachse vom Fachdienst Umwelt und Klimaschutz konnte er die Zusammenhänge zur Zufriedenheit der jungen Briefeschreiber erklären.

Warum werden die Sträucher so stark beschnitten, dass es wie im trostlosen Wald aussieht, als dort so viele Bäume wegen der Trockenheit abgestorben waren? Wachsen die Sträucher noch einmal so dicht und hoch wie vor dem Schnitt? Und warum kann der Landkreis solche Pflegearbeiten überhaupt in Auftrag geben? Das waren nur einige der Fragen, die von den Schulkindern an den Landrat und seine Mitarbeiterin gerichtet wurden.

„Wir sind der Schulträger, also für die Schulgebäude in Waldeck-Frankenberg verantwortlich und zu der Verantwortung gehört auch der Strauchschnitt“, erläuterte van der Horst. Gleichwohl hätte der Landkreis die Schulleitung darüber informieren sollen, das sei leider versäumt worden. Und auch dass die jungen Bäume, die von den Mitarbeitenden für Büsche gehalten wurden, versehentlich entfernt wurden, sei bedauerlich. „Manchmal muss man sich entschuldigen, wenn nicht alles gut gelaufen ist“, was van der Horst gleich in die Tat umsetzte.

Zu den Arbeiten führte der Landrat weiter aus: Durch die regelmäßige Pflege, das sogenannte „auf den Stock setzen“, werde der Natur und den Tieren geholfen. Es könnten sich dichtere Sträucher entwickeln, die bessere Verstecke für Vögel und Insekten bieten und an denen Bienen und Schmetterlinge reichere Nahrung finden. Eine lebendigere Umwelt sei die Folge – typisch für Ziergehölze, die den Schulhof zu 80 Prozent dominieren.

„Die Knospen kommen wieder, die Äste werden stärker und stabiler, insgesamt leben die Ziersträucher länger, als wenn sie nicht regelmäßig gepflegt würden“, bestätigte Jessika Sachse, die nicht nur beruflich, sondern auch privat als Mitglied des NABU im Naturschutz aktiv ist. Im Gegensatz dazu müsse bei Bäumen beachtet werden, dass sie bei Schädigungen in der Krone auch Verluste im Wurzelwerk haben werden. „Freiwachsende heimische Hecken sind natürlich auch wichtig“, ergänzte Sachse - jedoch eher in der offenen Feldflur, nicht im Innenbereich, wo die Verkehrssicherheit und die Gebäudeinstandhaltung eine übergeordnete Rolle spielen.

Dass der Schnitt im Frühling erfolge, wenn tatsächlich bereits erste Knospen zu erkennen seien, sei aus naturschützerischer Sicht eher in Ordnung. Denn von Oktober bis Februar würden Tiere, die Hecken und Sträucher als Lebensraum nutzten, nach Erkenntnissen von Fachleuten am wenigsten gestört. Vom Gesetzgeber sei daher unter Berücksichtigung des Natur- und Umweltschutzes die Regel aufgestellt worden, dass ab dem 1. März bis zum 30. September keine Pflegearbeiten durchgeführt werden dürfen, um den Lebensraum der Tiere zu schützen.

Zum Abschluss des Besuchs richteten die AG-Mitglieder Wünsche an den Landrat, z. B. „Ich wünsche mir, dass die Schule nächstes Mal informiert wird.“ oder „Ich wünsche mir, dass wir vorher gefragt werden, man könnte auch für die Kinder eine Umfrage machen.“ Van der Horst lobte: „Ich finde es toll, wie intensiv ihr euch in der AG mit dem Thema beschäftigt und etwas in Frage gestellt habt, das euch nicht richtig vorkam. Damit zeigt ihr nicht nur, wie sehr euch das Thema beschäftigt, sondern auch, dass ihr euch selbst mit um eine Lösung kümmern möchtet.“  Demokratie sei sehr wichtig, hier könnten Erwachsene durchaus auch von Kindern lernen. Das Jugendparlament, an dessen Einrichtung im Landkreis gerade gearbeitet werde, greife diesen Gedanken auf.

Bildunterschrift: Ließen sich von Landrat Jürgen van der Horst (hintere Reihe rechts) und seiner Mitarbeiterin im Fachdienst Umwelt und Klimaschutz Jessika Sachse (hintere Reihe 3. von rechts) die Hintergründe zum Zierstrauchschnitt erklären – Mitglieder der Ideen-AG Mitbestimmung und Demokratie der Grundschule Berndorf mit ihrer Lehrerin Susanne Koswig (vordere Reihe links). Mit auf dem Bild: Janina Winkler, Fachdienst Umwelt und Klimaschutz (links neben Landrat van der Horst). Foto: Landkreis Waldeck-Frankenberg


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Fachdienst Umwelt und Klimaschutz