Kampagne gegen Catcalling wird fortgesetzt
Seit dem Jahr 2023 ist der Landkreis Waldeck-Frankenberg mit seinem Fachdienst Frauen und Chancengleichheit Teil der bundesweiten Kampagne #KeinKomliment. Im Rahmen der Kampagne werden Catcalling-Erlebnisse gesammelt und am Nationalen Aktionstag, dem zweiten Freitag im Juni, anonym mit Kreide auf die Straße gebracht. Ziel der Kampagne ist es, Catcalling, also verbale sexuelle Belästigung, sichtbar zu machen und dafür zu sensibilisieren.
Unter dem Motto „Catcalling ist kein Kompliment. Wegsehen aber auch nicht.“ wird in Waldeck-Frankenberg auch in der Bahn und in Bussen auf das Thema aufmerksam gemacht und mit der diesjährigen Kampagne zu mehr Zivilcourage bei verbaler sexueller Belästigung aufgerufen. Als Kooperationspartner stehen in diesem Jahr der heimische Energieversorger EWF (Organisation ÖPNV), der Nordhessische Verkehrsverbund und die Kurhessenbahn zur Verfügung.
Im öffentlichen Nahverkehr macht die Sensibilisierung besonders Sinn, betonen Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese und EWF-Geschäftsführer Frank Benz. Denn verbale sexuelle Belästigungen finden überwiegend im öffentlichen Raum statt. Dazu gehören z. B. auch Bushaltestellen oder Bahnhöfe. Es sei wichtig, in genau diesem öffentlichen Raum auf Unterstützungsangebote aufmerksam zu machen – insbesondere für diejenigen, die Catcalling beobachten und Betroffenen helfen können, ergänzen Kurhessenbahn-Geschäftsleiter Jens Wrabletz und NVV-Geschäftsführer Marian Vollmer.
Die Unterstützungsangebote zeigen Beobachtenden Möglichkeiten auf, Betroffene zu unterstützen. Denn: Sexuelle Belästigung betrifft nicht nur die direkt Betroffenen, sondern kann das Sicherheitsgefühl aller Frauen und Mädchen im öffentlichen Raum beeinträchtigen. Es geht dabei nicht darum, im öffentlichen Raum für Sicherheit zu sorgen, sondern Menschen dazu zu befähigen, sich gegenseitig zu unterstützen, wenn sie das Gefühl haben, dass da gerade Grenzen überschritten werden. In bedrohlichen Situationen oder im Zweifel ist immer die Polizei hinzuzuziehen.
„Der ÖPNV hat sich mit der Kampagne im letzten Jahr als wichtiger Raum erwiesen, um möglichst viele Menschen mit unserer Botschaft zu erreichen“, berichtet stellvertretende Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Miriam Drüppel. In kürzester Zeit seien dem Frauenbüro im Rahmen der Kampagne in 2025 mehr Erfahrungen mit verbaler sexueller Belästigung gemeldet worden, als in den Vorjahren insgesamt. Das hebe die Bedeutung sichtbarer Sensibilisierung im öffentlichen Raum hervor und zeige auch: Es besteht weiterer Handlungsbedarf!
Durch die Debatte um das, was Collien Fernandes von ihrem Ehemann angetan wurde, hat das Thema eine hochaktuelle neue Bedeutung gewonnen. Nicht nur Frauen fordern nun vermehrt, dass es nicht alleine die Aufgabe von Betroffenen sein kann, jegliche Form der Gewalt gegen Frauen zu benennen und sich solidarisch zu zeigen. Das ist eine Aufgabe, die wir als Gesamtgesellschaft tragen. Gewalt beginnt nicht erst mit einem Schlag oder der (verbalen) sexuellen Belästigung im öffentlichen Raum. Sie beginnt da, wo man sich nicht gegen sexistisches Verhalten positioniert, wo lieber weggesehen wird – anstatt Betroffene zu unterstützen. „Mit dieser Kampagne möchten wir allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern Handlungsmöglichkeiten an die Hand geben, um nicht Teil derjenigen zu sein, die Frauenfeindlichkeit tolerieren“, so Miriam Drüppel abschließend.
Bildunterschrift: Landkreis, EWF, NVV und Kurhessenbahn beteiligen sich auch in 2026 an der bundesweiten Kampagne #KeinKomliment: (v.l.n.r.) Tanja Schreiber, Fachdienst Frauen und Chancengleichheit; Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese; NVV-Pressesprecherin Judith Féaux de Lacroix; EWF-Geschäftsführer Frank Benz; Miriam Drüppel, stellvertretende Fachdienstleiterin Frauen und Chancengleichheit; Kurhessenbahn-Geschäftsleiter Jens Wrabletz. (Foto: Landkreis Waldeck-Frankenberg)
Schlagworte:
Fachdienst Frauen und Chancengleichheit Kein Kompliment Gemeinsam gegen Gewalt
