Landkreis bei Crowdsourcing-Initiative der Arolsen Archives dabei

Millionen Menschen wurden während der NS-Zeit verfolgt und ermordet. Um die Erinnerung an jedes einzelne Schicksal zu bewahren, beteiligt sich der Landkreis Waldeck-Frankenberg an der internationalen Crowdsourcing-Initiative #everynamecounts der Arolsen Archives, dem weltweit größten Archiv für Opfer und Überlebende des Nationalsozialismus. Der Landkreis ruft im Aktionszeitraum vom 8. bis 23. Mai alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, an der Initiative mitzuarbeiten.   

Dokumente aus NS-Zeit digitalisieren
Wie das geht? Online können  Dokumente aus der Zeit der NS-Verfolgung im Original erfasst werden. Diese sollen später in das Online-Archiv der Arolsen Archives aufgenommen werden. Dafür müssen sie mit Daten versehen werden, damit sie im Rahmen einer Suche auffindbar sind. Diese Arbeit kann von Programmen bisher nur eingeschränkt geleistet werden, da die Handschriften oft schlecht lesbar oder auch teils auf Sütterlin sind. Deshalb werden echte Menschen gebeten, sich die Dokumente anzuschauen und bestimmte Angaben – vom Namen über den Geburtstag bis hin zur Adresse – zu übertragen. Die einfachsten Dokumente sind schon in unter fünf Minuten digitalisiert.

Einführungsveranstaltung am 12. Mai
Wer mehr darüber wissen möchte, wie die Digitalisierung der Dokumente genau funktioniert, kann am 12. Mai um 18:30 Uhr an einer digitalen Einführungsveranstaltung der Arolsen Archives teilnehmen. Eine Anmeldung ist online oder per E-Mail möglich. Die Mitmachaktion läuft bis zum 23. Mai, dem Tag der Demokratie. Dann wird geschaut, wie viele Dokumente insgesamt über den gemeinsamen Link von Menschen aus Waldeck-Frankenberg digitalisiert wurden.

Digitales Denkmal für NS-Opfer
Ziel der Aktion ist es, aus Hunderttausenden historischen Dokumenten personenspezifische Daten zu erfassen und so ein digitales Denkmal für die NS-Opfer zu errichten – auch die aus Waldeck-Frankenberg. Auch aus dem Landkreis wurden zwischen 1933 und 1945 hunderte Menschen in die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert, davon rund 50 mit Inhaftierungen in Buchenwald. Auch ihre Schicksale sollen in Erinnerung behalten werden – beispielsweise das von Friedrich Wagener aus Külte, der als sogenannter Bibelforscher (Zeuge Jehovas) den Kriegsdienst verweigerte und in verschiedenen Konzentrationslagern interniert wurde, bevor er aus dem KZ Buchenwald befreit wurde. Oder auch das von Bernhard Löwenstein aus Korbach, der als Euthanasie-Opfer mit 25 Jahren in einer Tötungsanstalt in Brandenburg vergast wurde.

Zeichen für Menschlichkeit, Demokratie und Freiheit
„Mit der Aktion möchten wir in turbulenten Zeiten ein Zeichen setzen, dass wir als Landkreis zusammenstehen: Für Menschlichkeit, für Demokratie, Freiheit und Frieden. Dafür, dass unsere Kinder und Enkelkinder nicht zu Namen auf irgendwelchen Listen werden“, sagt Landrat Jürgen van der Horst. „Ein ehrlicher Blick in die Vergangenheit hat nichts mit persönlicher Schuld zu tun oder damit, dass wir uns schlecht fühlen sollen. Es geht darum, aus bereits Geschehenem zu lernen, zu schätzen, was wir haben und sich klar zu positionieren.“

 

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