Landkreis und EWF übergeben KWP-Konzept an Kommunen

Nach intensiver Arbeit hat die kommunale Energie- und Wärmeplanung einen wichtigen Meilenstein erreicht: Kürzlich haben der Landkreis Waldeck-Frankenberg und die Energie Waldeck-Frankenberg das finale Planungskonzept inklusive Steckbriefen für über 200 Ortsteile an die 20 beteiligten Kommunen übergeben. Damit verfügt Waldeck-Frankenberg nun über eine belastbare strategische Grundlage für eine künftige klimaneutrale Wärmeversorgung – und das deutlich vor der gesetzlichen Frist Mitte 2028.

Kompass für regionale Wärmewende
Viele Menschen fragen sich, wie sie in Zukunft heizen sollten und woher die Energie kommen wird. Die kommunale Wärmeplanung bietet Orientierung und zeigt, welche Energieträger – von Windkraft über Biogas und Photovoltaik bis hin zu Geothermie oder industrieller Abwärme – an welchem Ort in Waldeck-Frankenberg Energie liefern könnten. Als Kompass für die regionale Wärmewende verdeutlicht sie,  wie sich der Landkreis schrittweise von fossilen Energieträgern unabhängig machen kann.

Landkreis und Kommunen planen gemeinsam
Landkreis, Energie Waldeck-Frankenberg GmbH (EWF) und die EnergieGesellschaft Frankenberg (EGF) haben dabei von Anfang an gemeinsam mit den Städten und Gemeinden geplant – und sind damit Vorreiter in Hessen. „Ziel war und ist es, im Bereich Energie und Wärme Angebot und Nachfrage clever zu matchen und sinnvoll und zukunftsfähig auszubauen“, sagt Landrat und EWF-Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen van der Horst. Die enge Kooperation der Projektpartner habe sich dabei in mehrfacher Hinsicht ausgezahlt: „Wir konnten die Planung effizienter und kostengünstiger umsetzen, als es jede Kommune im Alleingang geschafft hätte. Vor allem aber ist ein starkes Netzwerk gewachsen, das die Planung konkret umsetzt – als gemeinsame Aufgabe von Landkreis, Kommunen und Energieversorgern.

Von der Datenbasis zu konkreten Perspektiven vor Ort
In einem mehrstufigen Prozess entstand eine flächendeckende Analyse des Gebäudebestands und der heutigen Wärmeversorgung in den Kommunen. Parallel dazu hat das Planungsteam Potenziale für lokal verfügbare erneuerbare Energien ermittelt und Zielszenarien entwickelt, wie sich die Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral gestalten lässt. Workshops mit den Kommunen sorgten dafür, dass lokales Wissen zu bestehenden Nahwärmenetzen, Entwicklungsflächen oder energetischen Potenzialen unmittelbar in die Planung einfloss.

Individueller Steckbrief für jeden Ort
Die Ergebnisse liegen nun in individuellen Steckbriefe für jeden Ortsteil vor. Sie zeigen, wie dort heute geheizt wird, welche Energieträger eingesetzt werden und wo sich Gebiete abzeichnen, in denen der Aufbau von Wärmenetzen sinnvoll sein könnte. Damit bekommen die Kommunen eine konkrete Grundlage, um zu entscheiden, wo künftig zentrale Lösungen wie Wärmenetze Sinn machen und wo dezentrale Ansätze wie Wärmepumpen und andere erneuerbare Technologien sich besser eignen würden.

Schon jetzt wird deutlich, wie breit das Spektrum möglicher Lösungen ist: Unternehmen und Industrie, die größere Mengen an Abwärme erzeugen, könnten künftig auch private Haushalte mitversorgen. An Standorten mit hohem Energie-verbrauch bietet sich der Aufbau von Wärmenetzen an, die zusätzlich Einfamilienhäuser einbinden. Andernorts wären benachbarte Biogasanlagen eine sinnvolle Quelle für Wärme und Energie – während dort, wo solche Anlagen fehlen, Kombinationen aus Photovoltaik und Wärmepumpen praktikabler sein könnten.  

 Orientierung anstatt Verpflichtung
Dabei ist wichtig: Die kommunale Wärmeplanung enthält keinerlei Vorgaben für bestimmte Technologien und schafft auch keine gebäudescharfen Verpflichtungen. Es besteht kein Zwang zum Anschluss an ein Wärmenetz. Bestehende Heizungsanlagen können weiterhin betrieben und repariert werden. Die kommunale Wärmeplanung bietet als strategische Fachplanung vielmehr eine Orientierung, wo welche Lösungen Sinn machen. Dazu wird es ab Herbst auch für Bürgerinnen und Bürger Informations- und Beratungsangebote zu allen Fragen der Energie- und Wärmeversorgung geben – etwa in Form von Sprechstunden in Rathäusern oder Energie- und Sanierungsberatungen durch die EWF – persönlich und online.

Grundlage für Wärmewende, Kommunen übernehmen
Die Planung, die vom Landkreis und der EWF jetzt offiziell an die Städte und Gemeinden übergeben wurde, markiert die Grundlage für die Wärmewende in der Region. Die Verantwortung für die Umsetzung geht damit vollständig an die Kommunen über, die die Ergebnisse in den kommenden Wochen und Monaten in ihre Gremien einbringen werden. Einige Kommunen wie Lichtenfels, Edertal oder Waldeck nutzen die Ergebnisse bereits als Grundlage für weitere Projekte. Für die zukünftige Umsetzung steht den Städten und Gemeinden eine Software zur Verfügung, über die sie gebäudescharfe Daten auswerten, Stammdaten anpassen und die Wärmeplanung digital fortschreiben können. Das Klimaschutzmanagement des Landkreises steht dabei fachlich zur Seite.

EWF als starker Partner
Die Energie Waldeck-Frankenberg unterstützt als starker Partner für moderne und nachhaltige Energieversorgung. EWF-Geschäftsführer Frank Benz betont, wie entscheidend hierbei das Miteinander ist: „Wenn die Energie- und Wärmewende erfolgreich gelingen soll, ist das gute und vertrauensvolle Zusammenwirken aller Beteiligten der Schlüssel. Eine gemeinsame Planung für alle Kommunen ermöglicht schnelle Ergebnisse und gezielte Investitionen. Davon können die Bürgerinnen und Bürger direkt profitieren.“ So arbeite die EWF kontinuierlich daran, ihre Netze zu transformieren, dass sie den bevorstehenden Aufgaben gewachsen sind. „Die Wärmeplanung liefert eine klare Grundlage, wo Netze ausgebaut, neu aufgebaut oder anders aufgestellt werden sollten.“

Ausrichtung an Klimastrategie
Aufbauend auf den Ergebnissen der Wärmeplanung werden künftig der Landkreis und die Kommunen gemeinsam an der Umsetzung der Energie- und Wärmewende arbeiten und damit einen weiteren Schritt der ganzheitlichen Klimastrategie des Landkreises angehen. Durch die Nutzung von Fördermitteln wird der Aufbau eines „Digitalen Zwilling“ als gemeinsame Planungsplattform sowie die Einrichtung einer Klimaschutzkoordination angestrebt.

„Die Wärmeplanung ist abgeschlossen, aber die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“, resümiert Landrat Jürgen van der Horst. „Die Wärmewende ist eine Generationenaufgabe, die nur partnerschaftlich gelingt. Allen Beteiligten gilt unser Dank. Klimaschutz, Klimaanpassung und Energiewende können nur mit einem starken Netzwerk, modernen Werkzeugen und einer klugen Planung bewältigt werden. Unsere interkommunale Energie- und Wärmeplanung bildet dafür den zentralen Kompass, an dem sich die Region künftig orientieren wird.“

 

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Interkommunale Energie- und Wärmeplanung Klimaschutz Fachdienst Umwelt und Klimaschutz