Vorsorge leicht gemacht: David Rudolph vom Landkreis gibt Tipps für den Notfall

Was bedeutet Notfallvorsorge konkret für jeden Einzelnen? Wir haben mit David Rudolph vom Fachdienst Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz gesprochen und nachgefragt, wie man sich ohne großen Aufwand auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereiten kann.

 

Herr Rudolph, der Begriff „Resilienz“ ist zentral für die hessenweite Aktionswoche. Können Sie uns erklären, was dahintersteckt und warum das Thema für uns alle wichtig ist?

Resilienz bedeutet im Grunde Widerstandsfähigkeit. Es geht darum, als Gesellschaft und als Einzelperson besser auf Krisen vorbereitet zu sein. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es immer wieder zu Situationen kommen kann, in denen die gewohnte Versorgung nicht mehr selbstverständlich ist. Wenn jeder von uns in der Lage ist, sich für eine kurze Zeit selbst zu versorgen, entlastet das im Ernstfall die Hilfskräfte enorm. Diese können sich dann auf die wirklich dringenden Notfälle und den Schutz kritischer Infrastruktur konzentrieren.

 

An welche Szenarien denken Sie da konkret hier bei uns in Waldeck-Frankenberg?

Viele denken immer gleich an die große Katastrophe. Oft sind es aber regional begrenzte Ereignisse. Ein langanhaltender, flächendeckender Stromausfall ist ein sehr realistisches Szenario. Plötzlich funktioniert nichts mehr: kein Licht, keine Heizung, kein Telefon, kein Internet, keine Supermarktkasse und keine Zapfsäule. Aber auch extreme Wetterereignisse wie Stürme oder Starkregen können dazu führen, dass man für einige Tage sein Haus nicht verlassen kann.

 

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt, einen Vorrat für zehn Tage anzulegen. Das klingt nach sehr viel.

Das verstehe ich, und das sollte niemanden abschrecken. Die 10 Tage sind der Idealfall, um auch längere Störungen gut zu überbrücken. Aber mein Appell ist: Fangen Sie klein an! Schon drei Tage abzusichern ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Sie werden feststellen, dass es einfacher ist, einen solchen Vorrat anzulegen, als Sie zu Beginn denken.

 

Was ist denn der wichtigste Bestandteil eines Notvorrats?

Ganz klar: Trinkwasser. Ohne Essen kommt ein Mensch einige Zeit aus, ohne Wasser nicht. Die Faustregel lautet: zwei Liter Flüssigkeit pro Person und Tag. Davon sind etwa 1,5 Liter zum Trinken und ein halber Liter zum Kochen gedacht. Am einfachsten ist es, ein paar Kästen Mineralwasser oder stilles Wasser einzulagern.

 

Und was gehört bei den Lebensmitteln in den Vorratsschrank?

Hier gilt der Grundsatz: Lagern Sie nur das, was Sie und Ihre Familie auch im Alltag essen. Es braucht keine spezielle Notfallnahrung. Gut geeignet sind langlebige Lebensmittel, die im besten Fall auch ohne Kühlung auskommen und nicht aufwendig gekocht werden müssen. Denken Sie an Konserven mit Eintöpfen, Gemüse oder Obst. Nudeln, Reis und Knäckebrot sind Klassiker. Auch haltbares wie Nüsse, Trockenfrüchte, Schokolade oder Kekse sind gute Energielieferanten und heben die Stimmung.

 

Wie vermeide ich, dass die Lebensmittel schlecht werden?

Mit dem Prinzip des „lebenden Vorrats“. Kaufen Sie beim nächsten Einkauf einfach ein paar Teile mehr und stellen Sie diese hinten in den Schrank. Was Sie verbrauchen, nehmen Sie von vorne. So rotieren die Vorräte automatisch und nichts wird alt.

 

Eingangs nannten Sie als mögliches Szenario einen Stromausfall. Wie kann das Essen ohne Strom zubereitet werden?

Ein Campingkocher mit passenden Kartuschen ist eine gute Investition. Wichtig ist hier, ihn nur in gut belüfteten Räumen oder am besten draußen zu verwenden. Auch ein Grill auf dem Balkon oder der Terrasse kann helfen. Für den kleinen Hunger zwischendurch sind kalte Speisen wie Müsli mit haltbarer Milch oder belegte Brote ideal.

 

Worauf sollten Familien mit Kindern oder Haustierbesitzer achten?

Ein sehr wichtiger Punkt. Planen Sie den Bedarf aller Haushaltsmitglieder ein. Das betrifft Babynahrung und Windeln genauso wie ausreichend Futter und Wasser für Haustiere. Auch Menschen mit chronischen Krankheiten sollten immer einen ausreichenden Vorrat ihrer wichtigen Medikamente zu Hause haben und an spezielle Diätnahrung denken, falls diese benötigt wird.

 

Was gehört neben Essen und Trinken noch zur Vorsorge?

Eine gut ausgestattete Hausapotheke, wichtige Hygieneartikel wie Feuchttücher oder Desinfektionsmittel, eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien oder eine Kurbeltaschenlampe, Kerzen und Streichhölzer. Und ganz entscheidend: ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio, um im Fall eines Strom- und Netzausfalls weiterhin offizielle Informationen und Anweisungen empfangen zu können.

 

Was ist Ihr abschließender Appell an die Bürgerinnen und Bürger?

Sehen Sie Notfallvorsorge nicht als Panikmache, sondern als einen Akt der Selbstfürsorge und der Solidarität. Jeder kleine Schritt, den Sie heute tun, kann Ihnen und Ihrer Familie in einer unerwarteten Situation viel ersparen. Fangen Sie mit einem Kasten Wasser und ein paar Lieblingskonserven an. Damit ist schon viel gewonnen.