Gegen Catcalling: Ankreide-Aktion am Frankenberger Bahnhof

Heute findet der fünfte nationale Aktionstag gegen Catcalling statt, der auch in diesem Jahr durch eine Ankreide-Aktion des Landkreises – unterstützt durch den Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) und die Kurhessenbahn – am Bahnhof in Frankenberg in den Fokus gerückt wird. Heute werden so genannte Catcalls, also verbale sexuelle Belästigungen, die von Betroffenen in den vergangenen Jahren gemeldet wurden, mit Kreide auf den Bahnhofsvorplatz geschrieben – um auf das Problem aufmerksam zu machen und diese Missstände buchstäblich anzukreiden.

Bewusstsein für verbale sexuelle Belästigung fehlt häufig
Studien belegen, dass mehr als jede zweite Frau in Deutschland in ihrem Leben schon einmal sexuelle Belästigungen ohne Körperkontakt erlebt hat – also aufdringliche Blicke, unangenehmes Hinterherpfeifen oder ungefragte und unangemessene Kommentare. Stark Betroffen sind insbesondere auch Frauen mit Migrationsgeschichte und Angehörige der LSBTIQ*-Community.

Catcalling ist kein Kompliment – wegsehen aber auch nicht
Sexuelle Belästigung findet überwiegend im öffentlichen Raum statt. Mit der Ankreide-Aktion soll nicht nur daran erinnert werden, dass Sprüche wie „Na Süße, ganz alleine unterwegs?“ oder „Hübsche Beine – wohin gehen die denn?“ keine Komplimente sind, sondern betroffenen Personen auch ein Hilfsangebot aufzeigen und für mehr Zivilcourage bei sexueller Belästigung sorgen. Denn: Catcalling ist kein Kompliment. Wegsehen aber auch nicht. Um ziviles Engagement für dieses Thema noch weiter zu unterstützen und für Catcalling zu sensibilisieren, gab es im Vorfeld des nationalen Aktionstages zudem eine Plakatkampagne, die gemeinsam mit dem NVV, der Kurhessenbahn und der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) umgesetzt wurde. Die Ankreide-Aktion ist ein weiterer Bestandteil, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Kein verunglücktes Kompliment, sondern Belästigung
„Durch das Ankreiden der Catcalls auf dem Vorplatz des Bahnhofs als einem gut besuchten Ort, an dem viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen, möchten wir in aller Öffentlichkeit auf die Lebensrealität von Betroffenen aufmerksam machen“, sagt die stellvertretende Frauenbeauftragte des Landkreises Miriam Drüppel vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit. „Das, was wir hier aufschreiben zeigt ganz deutlich, dass es sich nicht um verunglückte Komplimente handelt, sondern um Belästigungen, Beleidigungen und Einschüchterungsversuche.“ Es gehe darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sexuelle Belästigung nicht erst mit einer Berührung beginnt, sondern schon bei Pfiffen, Anmachsprüchen und Kommentaren. „Dieses Bewusstsein fehlt häufig.“

Sich aus passiver Opferrolle lösen
Die Möglichkeit, solche Vorfälle zu melden in dem Wissen, dass das Geschehene öffentlich gemacht wird, kann Betroffenen helfen, die Deutungshoheit über die Situation zurückzugewinnen und sich aus einer passiven Opferrolle zu lösen. Außerdem wird sexuelle Belästigung sichtbar gemacht und es wird dafür sensibilisiert. Teil der Kampagne #KeinKompliment, der deutschlandweit mehr als 40 Kommunen und Landkreise angehören, ist es zudem auch, auf den fehlenden rechtlichen Schutz hinzuweisen: In mehreren europäischen Staaten, beispielsweise Frankreich, Spanien, Portugal und den Niederlanden ist Catcalling als Straftatbestand oder Ordnungswidrigkeit strafbar. In Deutschland besteht dazu nach wie vor eine Gesetzeslücke. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie man Betroffene unterstützen kann, findet auch hier weitere Informationen. Dort können betroffene Personen zudem auch weiterhin anonym Catcalls an den Landkreis melden.


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Kein Kompliment Fachdienst Frauen und Chancengleichheit  Gemeinsam gegen Gewalt