Pilotprojekt: Künstliche Intelligenz zur Entlastung im Sozialen Dienst

Bildunterschrift: Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese (rechts) und Christopher Emde (Fachdienst Kreisorgane, Organisation, Vergaben und ÖPNV) stellen das Pilotprojekt zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Fachdienst Jugend vor, welches von Tiana de Matos Martins und ihren Kolleginnen und Kollegen im Sozialen Dienst aktuell erprobt wird.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg ist eine von 38 ausgewählten Kommunen bundesweit, die an der zweiten Phase des Innovationsprogramms „Agentic AI Hub“ des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung teilnimmt. In einem dreimonatigen Pilotprojekt wird nun der Einsatz einer spezialisierten KI-Lösung erprobt, um die Falldokumentation beim sozialen Dienst im Fachdienst Jugend zu unterstützen. Das zentrale Ziel des Tests ist es herauszufinden, ob und wie die Fachkräfte durch die Technologie von zeitaufwendigen, sich wiederholenden Dokumentationsaufgaben entlastet werden können, um so potenziell mehr Zeit für die direkte Betreuung der Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen.

Das Pilotprojekt ist am 16. September 2026 gestartet und läuft bis zum 15. Dezember 2026. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg arbeitet dabei eng mit dem Startup-Unternehmen Sozial KI UG zusammen.

Chance für eine moderne und bürgernahe Verwaltung
Der „Agentic AI Hub“ ist ein Förderprogramm des Bundes, das gezielt die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und der öffentlichen Verwaltung stärkt, um den Einsatz von KI in der Praxis zu erproben. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg nutzt diese Chance, um aktiv Lösungen für die Herausforderungen im sozialen Sektor zu finden. Die anfallenden Kosten innerhalb der Testphase trägt das Bundesministerium. Erst bei langfristiger Etablierung der KI nach dem Projekt, müsste die Kreisverwaltung Geld investieren.

Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese erklärt die strategische Zielsetzung des Tests: „Wir stehen im sozialen Bereich vor großen Herausforderungen. Die Aufgaben werden komplexer, gleichzeitig spüren wir den Fachkräftemangel. Deshalb müssen wir neue Wege gehen. Mit diesem Pilotprojekt wollen wir ausloten, ob uns moderne Technologien wie KI dabei unterstützen können, unsere hochqualifizierten Fachkräfte von Routineaufgaben zu entlasten. Es geht uns nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern ihm ein Werkzeug an die Hand zu geben, damit mehr Zeit für das Wesentliche bleibt: die persönliche Beratung und Hilfe für die Menschen im Landkreis Waldeck-Frankenberg.“

Christopher Emde aus dem Fachdienst Kreisorgane, Organisation, Vergaben und ÖPNV ergänzt aus der Praxisperspektive: „Ein Teil der täglichen Arbeit in unseren Fachdiensten besteht aus sorgfältiger Dokumentation. Das ist wichtig, bindet aber auch viel Zeit. Wir sind gespannt, ob die KI-Lösung dem Fachdienst Jugend im Alltag wirklich helfen kann, die relevanten Informationen schneller zu erfassen. Jede Minute, die nicht mit reiner Administration verbracht wird, ist eine gewonnene Minute für das direkte Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern, die Unterstützung brauchen.“ Wichtig dabei: Die KI arbeitet nach dem „Human-in-the-Loop“-Prinzip. Sie soll als intelligenter Assistent dienen, doch die finale Prüfung, Bewertung und Entscheidung verbleibt ausnahmslos bei der menschlichen Sachbearbeitung.

Ziele und Fragestellungen des Tests
Während der dreimonatigen Pilotphase wird untersucht, ob der Einsatz der KI zu einer messbaren Reduzierung der Bearbeitungszeit führt und ob die Technologie von den Mitarbeitenden als tatsächliche Unterstützung im Arbeitsalltag empfunden wird. Ebenso stehen die fachliche Präzision der KI-Unterstützung und die Praxistauglichkeit im Fokus, also die Frage, ob sich die Lösung gut in die bestehenden Arbeitsabläufe integrieren lässt. Am Ende der Pilotphase werden die Ergebnisse umfassend evaluiert. Diese Auswertung schafft eine datengestützte Entscheidungsgrundlage darüber, ob eine dauerhafte Nutzung der Lösung sinnvoll ist.